Aufgelöst: das Amber-/Ambra-/Bernstein-Problem

Amber Ambra Bernstein

Was ist der Unterschied zwischen den Parfum-Ingredienzien Amber und Ambra? Und was haben diese mit dem sagenumwobenen „Gold des Meeres“, Bernstein, zu tun? Fragen wie diesen, die schon in so manchen Parfum-Foren kollektives Kopfzerbrechen auslösten, geht unser Autor Erik Vogel im folgenden Artikel einmal ausführlich auf den Grund – und taucht dabei bis in die Tiefen des Meeres…

Kennen Sie das auch? In einer Vorankündigung zu einem Duft ist von einer köstlichen Ambra-Note die Rede; als Fan der luxuriösen Ambra-Essenz werden Sie hellhörig – erfüllt von olfaktorischer Vorfreude sprühen Sie das Parfum auf… können aber selbst nach Stunden beim besten Willen einfach keine Ambra herausriechen?

Das muss nicht an Ihrer Nase liegen. Was Ambra betrifft, herrscht nämlich in weiten Teilen der Parfum-Szene ein ziemliches Durcheinander, um nicht zu sagen: eine mitunter geradezu babylonische Sprachverwirrung. Mutmaßlich schuld daran ist die sprachliche Nähe des Wortes „Ambra“ zu „Amber“; die beiden Begriffe werden immer wieder vermischt und synonym verwendet – obwohl sie in der Parfum-Fachsprache zwei gänzlich unterschiedliche Duftnoten bezeichnen.

„Houston, wir haben ein… Amber-Problem!“

Ein Blick in diverse Parfumforen im Internet belegt: Wir haben ein handfestes Amber-/Ambra-/Bernstein-Problem! Die vielfache Gleichsetzung der Bezeichnungen „Ambra“ und „Amber“ (…was im Englischen eigentlich „Bernstein“ bedeutet) in Duftpyramiden und Werbetexten beschäftigt schon seit Jahren zahlreiche Menschen in der Parfum-Community – und lässt viele immer wieder etwas ratlos zurück…

„Verwirrt über Amber und Ambra?“ bringt diese verbreitete Ratlosigkeit etwa die Überschrift eines Threads auf Basenotes treffend auf den Punkt. „Es scheint so”, schreibt User Simon Moon, „dass viele Leute (mich eingeschlossen) verwirrt sind in Bezug auf die Unterscheidung zwischen ‚Amber‘ und ‚Ambra‘“. Die daran anschließende Diskussion bestätigt diese Einschätzung; denn allein schon über die Frage, was denn eigentlich unter „Amber“ zu verstehen sei, gehen die Meinungen der Basenotes-Foristen auseinander. Ein ähnliches Bild zeigt sich in nahezu allen Internet-Diskussionen zu diesem Thema.

Das Amber-/Ambra-/Bernstein-Problem im Internet.

„Verwirrend“: Das Amber-/Ambra-/Bernstein-Problem im Internet. In vielen Parfumforen und –blogs wird das Thema seit Jahren immer wieder diskutiert…

Höchste Zeit also, in dieser Sache einmal systematisch Licht ins bernsteinfarbene Halbdunkel zu bringen! Harte Fragen warten auf präzise Antworten:

Was ist drin im Flakon, wenn „Amber“ oder „Ambra“ drauf steht? Was genau unterscheidet Amber von Ambra – oder Ambergris? Und was hat all das mit Bernstein zu tun?

Amber als Parfum-Komponente

Ich beginne mit dem Terminus, der wohl mit Abstand für die meiste Konfusion in der Parfumwelt sorgt: Amber. Während meiner nun fünfjährigen Tätigkeit bei Essenza Nobile sind mir schon die unterschiedlichsten Definitionen von „Amber“ als Duftnote untergekommen und auf den Tisch geflattert: Von „Bernstein-Essenz“ über „Ambra“ bis hin zu (wahlweise) dem Holz, den Blättern oder der Rinde des als „Liquidambar“ bekannten Amberbaumes.

Um es vorwegzunehmen: All das ist normalerweise nicht gemeint, wenn von „Amber“ in Parfums die Rede ist – zumindest, wenn es dabei parfumsprachlich präzise zugeht. Bei Amber handelt es sich tatsächlich vielmehr um ein Gemisch aus verschiedenen Harzen, das oft in Kombination mit Vanille in die Parfum-Komposition eingeflochten ist; die drei am häufigsten verwendeten harzigen Komponenten eines Amber-Akkords sind Benzoe, das Zistrosen-Harz Labdanum und Styrax, das Harz des Storaxbaumes.  Ein Styrax-Ersatz kann allerdings auch aus dem sehr ähnlich riechenden Harz des Amberbaumes gewonnen werden, so dass in der bereits angeführten Erklärung mit dem Amberbaum zumindest ein kleiner Teil der Wahrheit versteckt ist.

Harze

Harz: Das „Blut der Bäume“ beschert der Parfümerie eine ihrer schönsten Duftkomponenten – Amber, eine duftende Melange aus verschiedenen Harzen. Nicht zu verwechseln mit Ambra…

Amber als Parfum-Genre

Zugleich sind „parfums ambrés“ aber auch ein eigenes Genre der orientalischen Parfumfamilie; Düfte-Expertin Elena Vosnaki vom Parfum-Fachblog Perfume Shrine beschreibt den Begriff der Amberparfums als „eine olfaktorische Konvention des späten 19. Jahrhunderts“, die zu jener Zeit mit der Erfindung synthetischer Vanille zu einem eigenen Parfumgenre geworden sei: „Ambriert“ sind demnach Parfums, die der orientalischen Gruppe zuzurechnen sind und die eine „warme, leicht puderige, erotische, animalische Tonalität“ aufweisen – an anderer Stelle fügt sie dieser Aufzählung noch die Eigenschaften „einladend, weich, kuschelig“ und „geheimnisvoll“ hinzu. Was deutlich macht: Wenn von „ambrierten“ Parfums die Rede ist, dann beschreibt das vor allem einen bestimmten Duftcharakter, weniger ganz spezielle Inhaltsstoffe.

Auch Parfum-Blogger Erik Kormann (Aromatisches Blog) beschreibt parfums ambrés als duftende Impression einer olfaktorischen Melange aus allerlei Schätzen des Orients: „Stecken Sie all die schönen Sachen, all die Kostbarkeiten, die Gewürze, die Früchte und die Blüten, die früher mit Segelschiffen nach Europa geholt wurden, in ein Parfum und Sie erhalten ein Amberparfum. Denken Sie an Rosen, an Pfeffer, Zimt und Orangen, Kardamom und Sandelholz, stellen Sie sich Moschus und besonders viel Vanille vor. Lauter schöne Sachen, die typischer Weise in ein Amberparfum gehören“. Und fügt hinzu: „Amber als Rohstoff (…) wird nicht unbedingt benötigt“. Will heißen: In einem Amberparfum kann zwar, muss aber nicht zwingend die Parfum-Komponente Amber enthalten sein. Ein weiterer Umstand, der der allgemeinen Verwirrung rund um den Begriff „Amber“ nicht gerade abträglich ist…

Bernstein

Eine ideelle Verbindung zwischen der Parfumingredienz „Amber“ und Bernstein wird im Parfümeriebereich recht häufig hergestellt – nicht zuletzt auch, da „Amber“ im Englischen Bernstein bedeutet. Auf den ersten Blick mutet aber die Vorstellung, dass in Parfums eine so offenkundig geruchlose Substanz wie Bernstein enthalten sein könnte, recht absurd an. Schnuppert man jedenfalls mal an einer Bernsteinkette oder -brosche, so meldet die Nase umgehend: „keine besonderen Vorkommnisse“.

Bernstein

Bernstein: In China gilt er als „Seele des Tigers“, die alten Griechen sahen in ihm „Tränen der Götter“. Das „Gold des Meeres“ beflügelt seit jeher die Fantasie und Poesie der Menschen; heute weiß man, dass es sich bei Bernstein um uraltes fossiles Baumharz handelt. Doch lange Zeit war der Ursprung des Bernsteins rätselhaft – entsprechend zahlreich sind die Legenden, die sich um seine geheimnisvolle Herkunft ranken: Nach dem litauischen Mythos Jurate und Kastytis etwa sollen die Bernsteinstücke von einem prachtvollen Bernsteinschloss vom Meeresgrund stammen, das durch einen Blitz des zürnenden Donnergottes Perkūnas in Millionen Stücke zerschmettert wurde.

Allerdings ist dies nur so lange so, bis man an den Bernstein mal ein Streichholz hält – und ihn brennen lässt. So etwas pflegen üblicherweise natürlich nur wenige Menschen mit ihrem Bernstein-Geschmeide zu machen – doch tut man’s, dann ist es schnell vorbei mit der schnöden Geruchlosigkeit! Der Name „Bernstein“ geht nämlich auf das mittelniederdeutsche Verb „bernen“ (brennen) zurück und bedeutet eigentlich „Brennstein“. Bernstein kann man also verbrennen; und genau dabei sondert der Bernstein einen harzig-aromatischen Duft ab und wird aufgrund dieser Eigenschaft auch schon mal als Räucherwerk verwendet. In Indien etwa kommt Bernstein auf diese Weise mitunter als Weihrauch-Ersatz für sakrale Zeremonien zum Einsatz; darüber hinaus gibt es sogar auch ein duftendes ätherisches Öl, das aus fossilem Bernstein gewonnen wird und als Bernsteinöl bekannt ist. Bernstein hat also durchaus seine Bedeutung in der Welt der Düfte; gleichwohl kommt er als solcher in keinem mir bekannten Parfum als Duftnote vor.

Da es sich nun aber bei Bernstein einerseits um fossiles Harz handelt, das bei seiner Erhitzung einen entsprechend harzigen Duft freisetzt, „Amber“ andererseits eine duftende Melange aus Harzen bezeichnet, liegt hier ein gewisser Zusammenhang auf der Hand. Der Parfumblog Sorcery of Scent hat in einem Beitrag zum Thema („Amber: A perfume myth“) eine naheliegende Interpretation angestellt: Die in Parfums vorkommende Amber-Komponente sei der Versuch, „die opulente, goldene Wärme des fossilen Harzes nachzuahmen“. Demnach wäre also zumindest der Geist des Bernsteins in so manchem Parfum enthalten…

Ambra

Ambra

Ambra. Gewiss: Das könnte so einiges sein – ein Stein, ein Samenkorn, eine etwas zu lang geratene Kokosnuss… In diesem Fall handelt es sich aber tatsächlich um eine historische Zeichnung eines Klumpens Ambra (Kupferstich aus dem Jahr 1753 – Quelle: Wikipedia).

Die Herkunft von Ambra ist eigentlich wenig appetitanregend und lässt für sich betrachtet kaum vermuten, dass es sich dabei um ein olfaktorisches Juwel handeln könnte: Die Ambra ist nämlich eine klumpenförmige Ausscheidung aus dem Darm des Pottwals, die durch Erbrechen des Tieres oder über dessen Exkremente ins Meerwasser gelangt und oftmals viele Jahre lang auf der Wasseroberfläche treibt. Gerne wird sie daher auch mal süffisant und wenig fein als „Wal-Kotze“ bezeichnet, was die auffällige Diskrepanz zwischen trivialem Ursprung und dem außerordentlichen Wert, den sie ausgerechnet in der Herstellung edler Parfums hat, ironisch veranschaulicht. So titelte etwa die „Bild“-Zeitung im vergangenen Jahr nach dem Fund eines stattlichen Ambra-Brockens nahe der britischen Küstenstadt Morecambe: „Dieser Wal-Kotzbrocken ist Gold wert!“. Frei nach dem Motto „manche gewinnen im Lotto – andere Glückspilze finden Erbrochenes vom Wal am Strand“ durfte sich ein 50jähriger Arbeitsloser über einen Ambra-Fund im Wert von bis zu 130.000 Euro freuen. (Eine Glücksgeschichte, die sich in ähnlicher Weise schon öfter zugetragen hat – wir selbst haben 2012 über einen ähnlichen Fall ausführlich berichtet).

Doch diesen enormen Wert erhält die Ambra keineswegs sofort und „ab Quelle“; kurz nach der Ausscheidung riecht Ambra nämlich alles andere als angenehm. Erst nachdem die Substanz über Jahre hinweg von Wellen umspült und intensiv von Sonnenlicht, Salzwasser und Seeluft „bearbeitet“ wurde, erhält sie die duftenden Eigenschaften, für die sie in der Parfumherstellung begehrt ist.

Pottwale

„Ambra. Wer hat’s erfunden?“ – Die Pottwale! Die Bedeutung der Ambra für die Welt der edlen Düfte ist so immens, dass eigentlich schon längst die Verleihung eines Parfümerie-Preises an den Pottwal fällig wäre.

Welche Eigenschaften genau das sind, darüber kursieren womöglich so viele Beschreibungen wie es Ambra-Parfums gibt. Christopher Kemp etwa schreibt in seinem Sachbuch „Floating gold: A natural (and unnatural) history of ambergris“, dass Ambra „wie Moschus, Veilchen, frisch geschlagenes Holz, Tabak, Schmutz, Paranuss, Farn-Gestrüpp, feuchter Wald, frisch gemähtes Heu, Algen in der Sonne, das Holz alter Kirchen, oder etwa wie so ziemlich jeder andere süße-aber-erdige Duft“ rieche. Der Riechstoffchemiker Günther Ohloff hingegen beschreibt den Ambra-Geruch als „feucht, erdig, kotig, marin, algenartig, tabakartig, sandelholzartig, süß, animalisch, moschusartig und strahlend“, während die Internet-Enzyklopädie Wikipedia den Duft als „holzig, trocken, balsamisch, etwas tabakartig bis bouquethaft mit aphrodisierendem Einschlag“ vorstellt.

Die Vielzahl der unterschiedlichen Beschreibungen zeigt schon, was für ein außergewöhnlich facettenreicher Duft es ist, der der Ambra entströmt. Vielleicht ist es ja auch diese breit gefächerte, schillernde Ambivalenz, die die häufige Verwechslung von Ambra mit „Amber“ begünstigt; vor allem scheint es aber die sprachliche Nähe der beiden Begriffe zueinander und ihre gemeinsame Wortherkunft zu sein, die dafür sorgt, dass Amber in der Parfümeriebranche häufig mit „Ambra“ gleichgesetzt wird…

Kleine Amber-Etymologie: Wie aus Ambra Bernstein wurde

Kleine Amber-Etymologie

Sucht man nach den Wurzeln dieser Sprach-Malaise, führen die Spuren bis ins Mittelalter zurück: Am Anfang stand das arabische Wort ʿanbar (عنبر), das im 14. Jahrhundert über Latein und Französisch Eingang ins Mittelenglische fand – und im Ursprung nichts anderes als Ambra bezeichnete. Doch irgendwann ging man dazu über, in den romanischen Sprachen auch Bernstein mit demselben Wort zu bezeichnen – offenbar aus dem simplen Grund, weil sowohl Ambra als auch Bernstein Schätze sind, die an Meeresstränden auf scheinbar wundersame Weise von der Brandung angespült werden.

Anfangs unterschied man dabei aber immerhin noch säuberlich zwischen „grauem Amber“ („ambre gris“), also der grautönigen Ambra, und gelbem Amber (ambre jaune), also dem rotgelb schimmernden Bernstein. Ganz so, als wäre Bernstein nur eine gelbfarbige Variation von Ambra – was natürlich einer reinen Fantasievorstellung entspringt, die aber bis heute wirkmächtig genug ist, um bis in die Parfümerie-Fachsprache hinein für gehörige sprachliche Turbulenzen zu sorgen…

Nachdem diese nunmehr erweiterte Wortbedeutung im 15. Jahrhundert auch in die englische Sprache übergegangen war, setzte sich schließlich „amber“ als vornehmliche Bezeichnung für Bernstein durch; die eindeutige Abgrenzung zwischen „gelbem“ und „grauem Amber“ verwässerte zusehends und verschwand schließlich vollends. Zwar rettete sich der „graue Amber“ mit der englischen Bezeichnung „ambergris“ (= Ambra) bis in die Gegenwart hinüber – doch den hiervon sprachlich klar unterscheidbaren „gelben Amber“ gibt es nun nicht mehr, sondern nur noch „amber“.

Amber oder Ambra? – Das ist hier die Frage…

Ambra di Venezia

Montgomery Taylor – Ambra di Venezia: Nicht überall, wo „Ambra“ drauf steht, ist auch Ambra drin.

Bis in die heutige Zeit hinein wirkt diese jahrhundertealte, sprachübergreifende Vermengung der beiden Begriffe weiter… und treibt dabei zuweilen kuriose Blüten. So sorgt sie z.B. dafür, dass man noch nicht einmal dann davon ausgehen kann, dass Ambra im Parfumflakon ist, wenn „Ambra“ mit  großen Lettern außen drauf steht. Ein Beispiel dafür ist etwa Ambra di Venezia von Montgomery Taylor; bei erster Näherung sollte man aufgrund des Namens ein Parfum mit prominenter Ambra-Note erwarten. Doch weit gefehlt! Tatsächlich kommt Ambra überhaupt nicht in den Duftnoten vor: Narzisse, Jasmin, Mandarine, Mango, Limone und Sandelholz sind darin enthalten – aber keine Spur von Ambra.

Der Hintergrund: Der Parfumname ist italienisch; und Ambra kann im Italienischen zwar durchaus „Ambra“, aber eben auch „Bernstein“ oder gar „Bernsteinfarbe“ bedeuten. Und das Parfum wurde von der Reiseimpression eines bernsteinfarbenen Sonnenuntergangs in Venedig inspiriert. Im Falle von Ambra di Venezia hat „Ambra“ also eine rein farbliche und poetische Bedeutung – und mit der gleichnamigen Parfum-Ingredienz nichts zu tun. Ein Umstand, der die ohnehin schon bestehende Begriffsverwirrung rund um „Ambra“, „Amber“ & Co. noch um eine weitere, zusätzliche Variante bereichert…

In vielen Fällen ist aber durchaus auch wirklich Ambra drin, wo Ambra drauf steht; so etwa bei Ambre Gris von Parfums Balmain Paris. Ein bekanntes Beispiel für einen „echten Ambra-Duft“ ist z.B. auch Eau des Merveilles von Hermès; die Ambra-Note evoziert in dem Parfum eine charakteristische Salz-Anmutung. „Definitiv Ambra“ sind auch die gleichnamigen Basisnoten bei zahlreichen Creed-Düften: das traditionsreiche Parfumhaus ist berühmt für seine mit delikaten Ambra-Akzenten veredelten Dry-Downs. Ambra ist geradezu eine „Signatur-Basisduftnote“ vieler Creed-Düfte; beispielhaft zu nennen wären hier etwa Green Irish Tweed, Acier Aluminium oder Himalaya, die jeweils ein deutlich wahrnehmbares Ambra-Aroma in der Duftbasis auszeichnet.

Und dann wäre da noch Andy Tauer. Der Schweizer Independent-Parfümeur ist ein bekennender Fan von Ambra: In gut der Hälfte seiner Düfte ist die Wunder-Ingredienz in der Basisnote enthalten. „Ich liebe den Duft von Amber gris, seine Eigenschaft, sich harmonisch in Kompositionen hineinzulegen, ja geradezu hinein zu kuscheln“, schwärmt Andy Tauer im Kurzinterview mit Essenza Nobile zum Amber-/Ambra-/Bernstein-Problem, das in Kürze hier in unserem Online-Journal erscheint.

Creed

Düfte mit amtlicher „Ambra-Garantie”: Acier Aluminium, Himalaya, Green Irish Tweed. Mit Ambra abgerundete Basisnoten sind ein Markenzeichen des Hauses Creed…

Fazit

Das Begriffs-Chaos rund um Amber und Ambra hat eine jahrhundertealte Tradition und funktioniert heutzutage offenbar nach dem klassischen Prinzip „Stille Post“: Ein Parfumhersteller bringt ein Parfum auf den Markt, in dem „Amber“ enthalten ist; irgendjemand versteht „Ambra“, glaubt es nur allzu gerne und kommuniziert es freudig so weiter – und schon wurde aus einem Duft mit einem Amber-Akkord ein Ambra-Parfum. Oder auch umgekehrt.

Zusätzlich begünstigt wird dies von der Tatsache, dass die Begriffe gerade in den für den Parfümeriebereich relevanten Sprachen wie Französisch, Italienisch oder Englisch wenig trennscharf verwendet und oft mit ein- und demselben Wort bezeichnet werden. Da kann bei der Übersetzung „Amber“ oft ebenso richtig sein wie „Ambra“. Oder auch mal „Bernstein“.

Wenn also irgendwo ein Parfum mit Bezeichnungen wie „Amber“, „Ambre“, „Ambra“ oder dergleichen beworben wird, lohnt es sich, genauer hinzuschauen – oder, besser noch: hinzuschnuppern! Denn wer oder was könnte eine verlässlichere Auskunft darüber geben, ob in einem Parfum nun „Amber“ oder „Ambra“ enthalten ist, als die eigene Nase…?

Strand

Ein Gedanke zu “Aufgelöst: das Amber-/Ambra-/Bernstein-Problem

  1. Danke für die Begriffsklärung, die einige interessante Details enthält.
    Umso bedauerlicher, dass dann doch wieder der alte Irrtum wiederholt wird, Amber(gris) sei „Walkotze“. Dabei scheinen Sie doch Christopher Kemps ausführlich recherchiertes Buch gelesen zu haben, in dem er das eindeutig aufklärt?!? –> Amber (gris) wird im Darm gebildet und kommt hinten raus (wie Kot) bzw. gelangt ins Meer, wenn ein toter Wal zersetzt wird. Ausgekotzt wird es nicht!!

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