Kaschan – Rosen-Oase in der Wüste Irans

RosenKâchân Rose heißt einer der drei neuesten Düfte aus dem Hause The Different Company. Der Name des Parfums verweist auf die iranische Stadt Kaschan. Grund genug, sich dort einmal ein wenig umzuschauen – und dabei vielleicht sogar ein paar Rosen zu pflücken…

Kaschan ist eine Wüstenstadt im Norden von Iran. Am Rande der zentraliranischen Wüste gelegen, wirkt die rund 300.000 Einwohner zählende Stadt wie eine Oase in der ansonsten eher spröden und kargen Gebirgsgegend mit ihrem trockenen, im Sommer knackig-heißen Wüstenklima. Ausgerechnet ein Zentrum des internationalen Rosenanbaus würde man hier auf den ersten Blick wohl eher nicht vermuten; doch genau das ist Kaschan! Neben einer florierenden Textilindustrie (weltberühmt sind etwa die „Kaschanteppiche“, eine Variante der klassischen Perserteppiche) leben die Menschen in der Gegend um Kaschan vor allem von Rosen.  Genauer gesagt: von der Herstellung von Rosenwasser.

Das auch als Rosenhydrolat bekannte Rosenwasser ist ein ätherisches Wasser, das als Destillations-Nebenprodukt bei der Gewinnung von Rosenöl anfällt. Besonders die edle Damaszener Rose steht im Mittelpunkt der Produktion von Rosenwasser. Die ebenso fein wie wunderbar sinnlich und rosig-samtig duftende Essenz findet nicht nur zuweilen in der Parfumherstellung Verwendung; auch viele Kosmetikprodukte werden, dank seiner sowohl olfaktorischen wie auch hautpflegenden Eigenschaften, mit Rosenwasser versetzt. Und nicht zuletzt auch so manches Lebensmittel: Vor allem in der Küche Persiens, Indiens und des Nahen Ostens spielt Rosenwasser eine nicht zu unterschätzende Rolle; mit Rosenwasser werden besonders Süßspeisen gerne aromatisiert, z.B. verschiedene Marzipansorten, Nougat, Raahat, Baklava, Jallab, Milchreis, Eiscreme, Kekse, Sirup, Limonade, zypriotisches Mahalebi, Milch- und Joghurtdrinks und, nicht zu vergessen: einige Varianten der türkischen Kult-Süßigkeit Lokum, die ihren typischen Geschmack ebenfalls dem Zusatz von Rosenwasser verdanken.

Kaschan

Blick über die Dächer von Kaschan: So wohnt man in der persischen Rosenwasser-Metropole. Am Horizont zeichnen sich schemenhaft die Konturen der Berge des umliegenden Wüstengebirges ab.

Eine besondere Bedeutung hat Rosenwasser außerdem speziell in der islamischen Welt als Ersatz für alkoholische Kochzutaten; so fügt man hier z.B. anstelle des sonst üblichen Weins dem „lecker Sößchen“ oftmals einfach einen Schuss Rosenwasser hinzu. Und wenn in einem muslimischen Land ein Autorennen stattfindet, dann schäumt, spritzt und sprudelt bei der Siegerehrung nicht selten Rosenwasser statt Champagner über den Kopf des glorreichen Gewinners…

Es gibt drei Qualitätsklassen des Rosenwassers, die von der Frische der verarbeiteten Rosenblüten abhängig sind. Das kostbare Rosenwasser der ersten Qualitätsklasse wird besonders von internationalen Kosmetikfirmen nachgefragt; ein Beispiel ist das Tonikum Basic Face Balancing von Sepai, in dem eine pflegende Mischung aus Kamille und Rosenwasser enthalten ist. Auch in manchen Parfums ist das noble Aroma von Rosenwasser als Kopf- oder Herznote zu finden, wie etwa in Perfumista Avenue von Bond No. 9, Keiko Mecheris Attar de Roses, Vaara von Penhaligon`s – oder in Byredos Duftkerze Loose Lips…   

Als Erfinder des Rosenwassers gilt ein bedeutender persischer Universalgelehrter aus dem 10. Jahrhundert, der einen derart sperrigen Namen trug, dass dieser heutzutage wohl auf kaum ein handelsübliches Klingelschild passen dürfte: Abū Ali al-Husain ibn Abdullah ibn Sina. Gute Freunde und Geschichtsschreiber späterer Zeitalter durften ihn aber auch einfach  bei seinem latinisierten Kurznamen „Avicenna“ nennen. Noch weitaus länger als sein Geburtsname jedoch liest sich die Liste der Berufe, die Avicenna ausübte: Mediziner, Geologe, Physiker, Philosoph, Psychologe, Jurist, Mathematiker, Astronom, Alchemist, Musiktheoretiker, Dichter und Schriftsteller. Um nur die wichtigsten zu nennen. Vor allem auf den Gebieten Medizin und Philosophie erwarb sich Avicenna weit über seine Zeit hinaus unsterbliche Meriten. Dass einer mit so vielfältigen Professionen, Interessen und Begabungen ganz nebenbei auch noch das Rosenwasser erfindet, vermag kaum zu überraschen…

Avicenna

Der Mann, mit dem alles begann: Der altpersische Universalgelehrte Avicenna (ca. 980-1037) gilt als Urvater des Rosenwassers. Unser Bild (links) ist einer mittelalterlichen Handschrift aus dem Jahr 1271 entnommen.

Doch zurück nach Kaschan: Rosenwasser wird vor allem in den drei umliegenden Städten Qamsar, Niyasar und Barzook hergestellt, wo seit nun schon mehr als 800 Jahren die rosig duftende Flüssigkeit produziert wird.  Die Herstellung des Rosenwassers liegt hier nicht etwa in den Händen eines mächtigen Rosenwasser-Monopolisten, sondern teilt sich vielmehr auf zahlreiche Einzelhersteller auf.  Tausende Familien aus der Region um Kaschan sind an der Produktion des Rosenwassers beteiligt – vom Anbau über die Ernte der Rosen bis hin zum Extraktionsprozess. Gepflückt werden die Rosen zumeist noch vor Sonnenaufgang, um möglichst viel von ihrem Duft zu bewahren.  Mitglieder jeder Familie ernten die Rosen und sammeln sie auf den Rosenfeldern nach dem traditionellen Morgengebet in großen Körben ein. 

Inmitten der steinigen, monoton-beigefarbenen Wüstenlandschaft Kaschans entfalten die Rosenfelder zur Zeit der Rosenblüte eine besonders beeindruckende, geradezu paradiesische Wirkung fürs Auge. Größer könnte der Kontrast kaum sein als der zwischen den öden, schroffen Wüstenfelsen und den abertausenden zarten Rosen, die da in satt leuchtenden rosa-roten Farbtönen in so mancher Talmulde blühen. Auf rund 850 Hektar Land werden die Rosen angebaut; pro Jahr werden in Kaschan ca. 700 Tonnen Rosen verarbeitet. Zum Vergleich: In der von duftenden Blütenfeldern umrankten französischen Parfümerie-Hauptstadt Grasse sind es heutzutage gerade einmal 500 Tonnen Rosen- und 60 Tonnen Jasminblüten…

Rosenblütenernte

Rosenblütenernte: Die Rosenwasser-Produktion hat in der Region Kaschan eine mehr als 800jährige Tradition; heutzutage werden hier pro Jahr rund 700 Tonnen Rosen verarbeitet.

Zumindest was Rosen und Rosenwasser betrifft, ist Kaschan also ein bisschen so etwas wie das „persische Grasse“. Und wenn schon Grasse mit seiner vergleichsweise geradezu bescheidenen Jasminproduktion alljährlich ein Jasminblütenfest (wir berichteten) ausrichtet, so verwundert es kaum, dass auch Kaschan eine eigene Festlichkeit kennt, in deren Mittelpunkt die Rose und das Rosenwasser stehen.  Und so findet jedes Jahr im Mai in Kaschan, pünktlich zur Ernte der Rosenblüten, ein großes Rosenfest statt. Das von zahlreichen Zeremonien begleitete Fest mit dem programmatischen Namen „Gol-o-Golab“ (Rose und Rosenwasser) ist ein riesiger Publikumsmagnet und zieht jährlich hunderttausende von Touristen in die Region Kaschan. In dieser Zeit ist die gesamte Stadt von feinem Rosenduft erfüllt. Von früh morgens bis in die Abendstunden helfen einheimische Familien ebenso wie Auswärtige beim Rosenpflücken. Am Abend dann wird Musik gespielt und die Menschen singen bis in die Nacht hinein – zum Pläsier der Touristen ebenso wie zur Erquickung der Erntearbeiter von den Rosenfeldern.

Das wäre eigentlich schon ein schöner Schluss für diesen Artikel gewesen; doch die Geschichte vom Rosenwasser aus Kaschan wäre nicht vollständig, ohne den Namen der saudi-arabischen Stadt Mekka zu nennen. In den zentralen Wallfahrtsort der muslimischen Welt pilgern pro Jahr mehrere Millionen Gläubige; Ziel der Pilgerfahrten ist die Kaaba, auch als „Haus Gottes“ bekannt. Das quaderförmige Gebäude im Innenhof der Heiligen Moschee Mekkas wird zwei Mal pro Jahr im Rahmen einer rituellen Reinigung gewaschen – mit einer Mischung aus dem als heilig geltenden Zamzam-Wasser und – Rosenwasser aus Kaschan!

Für die gläubigen Menschen in der Region Kaschan ist es zweifellos eine besondere Ehre, dass gerade Rosenwasser aus ihrer Heimat für eine der wichtigsten Zeremonien im Islam verwendet wird. Und so wird in Kaschan jedes Jahr aufs Neue feierlich ein großes Paket geschnürt und nach Mekka versendet – vollgepackt mit dem feinsten Rosenwasser, das Kaschan zu bieten hat…

Kaaba

„Haus Gottes“: Die quaderförmige Kaaba im Wallfahrtsort Mekka ist das zentrale Heiligtum des Islams. Zweimal jährlich, nämlich vor dem Beginn des Fastenmonats Ramadan und vor dem Beginn der Pilgerreise („Haddsch“), wird sie im Rahmen einer zeremoniellen Reinigung gewaschen – mit feinstem Rosenwasser aus Kaschan…

Kostenloser Download!
Erfahren Sie alles über 
DIE ZAUBERHAFTE WELT DER  NISCHENDÜFTE!
Zum Newsletter anmelden -  E-BOOK laden !
Jetzt anmelden & herunterladen!

2 Gedanken zu “Kaschan – Rosen-Oase in der Wüste Irans

  1. Als ich den Kâchân Rose bei Ihnen entdeckte, musste ich ihn sofort bestellen. Er ist einfach wundervoll, sehr sanft, sehr lieblich und Rose pur.

Kommentar verfassen