Düfte-Schatzkammer im Herzen von Florenz: 400 Jahre Officina Profumo-Farmaceutica di Santa Maria Novella

Eigentlich könnte es sogar bald schon das 800-jährige Jubiläum sein, das die Farmacia di Santa Maria Novella demnächst begeht; denn bereits im Jahr 1221 wurde die altehrwürdige Klosterapotheke in Florenz von Dominikanermönchen aus der Taufe gehoben. Weil diese aber erst 1612 ein „richtiges“ Unternehmen daraus machten, wird im nächsten Jahr offiziell eben – ganz bescheiden – „erst“ der 400. Firmengeburtstag gefeiert. Doch ob nun 400 Jahre, oder fast doppelt so alt: Es ist allemal eine beachtliche und beeindruckend lange Geschichte, auf die die florentinische Traditionsapotheke mit dem betont sperrigen Firmennamen zurückblickt…

Die Officina Profumo-Farmaceutica di Santa Maria Novella, ehemals offizieller Haus- und Hoflieferant der Medici, ist eine der ältesten Apotheken der Welt. Sie wurde in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts von Dominikanermönchen in Florenz gegründet, um aus Kräutern und Heilpflanzen, die in den Klostergärten angebaut wurden, Medikamente, Salben und Pomaden für die Krankenstation der Mönche herzustellen. Eine besondere Spezialität war außerdem Rosenwasser, das in mittelalterlichen Zeiten der Pest als Desinfektionsmittel eingesetzt wurde.

Als sich die Kunde von der besonderen Qualität der von der Dominikaner-Apotheke hergestellten Produkte auch außerhalb der Klostermauern immer mehr herumsprach, beschloss man Anfang des 17. Jahrhunderts, die Erzeugnisse der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Im Jahre 1612 wurde Pater Angiolo Marchissi Leiter der Apotheke, und der Großherzog der Toskana verlieh ihr den Titel „Fonderia di Sua Altezza Reale“; die Officina Profumo-Farmaceutica di Santa Maria Novella war nun ganz offiziell ein Unternehmen

Bereits im Laufe des 18. Jahrhunderts wurde die prestigereiche Apotheke zunehmend das, was man heute im modernen Wirtschaftsdeutsch als „Global Player“ bezeichnen würde – der exzellente Ruf ihrer Produkte hatte weit über die Grenzen Italiens hinaus Weltruhm erlangt, der selbst ferne Länder wie Russland, Indien und China erreichte… und selbst die Geschichte des Allzeit-Parfumklassikers „Kölnisch Wasser“ soll sich – so will es zumindest die Legende – bis in die Gemäuer der „Farmacia“ in Florenz zurückverfolgen lassen.

Nach der Beschlagnahme des kirchlichen Vermögens durch die italienische Regierung wurde die Apotheke im Jahre 1866 zu einem staatlichen Unternehmen. Später wurde es an Cesare Augusto Stefani abgetreten; die Familie jenes Neffen des letzten Klostervorstehers erhielt den Namen, den Firmenwert und das Vermögen der Firma und betrieb das Geschäft über vier Generationen hinweg…

Heute ist die Officina Profumo-Farmaceutica di Santa Maria Novella freilich weniger „Apotheke“ im herkömmlichen Sinne, sondern hat vielmehr den Charakter einer noblen, außergewöhnlichen Parfümerie mit gotisch-sakralem Ambiente, das Geschichte atmet. Doch nicht nur der Geist von Jahrhunderten liegt hier auf Schritt und Tritt förmlich in der Luft: Eine ganz eigene olfaktorische Mischung aus Düften von Blüten und Kräuterpflanzen aus dem Umland von Florenz empfängt die Besucherinnen und Besucher, die hier in edlen Holzvitrinen aus dem 19. Jahrhundert Seifen, Parfumflakons, Karaffen und mehrere dutzend verschiedene duftende Essenzen vorfinden. Die „Farmacia“ ist ein wahres Schmuckkästchen für alle Düfteliebhaber, im Nordwesten der Altstadt von Florenz, nur unweit der Kirche Santa Maria Novella gelegen… wenn es irgendwo auf der Welt einen Ort gibt, an dem „edle Essenzen“ ihr natürliches Zuhause haben – dann muss er wohl hier sein!

Auch gibt es – wie könnte es bei so viel Geschichte und Tradition anders sein? – ein Museum, das in den alten Laboratorien und Lagerräumen der Officina Profumo Farmaceutica di Santa Maria Novella beheimatet ist. Hier kann man in eine faszinierende, jahrhundertealte Firmengeschichte eintauchen, sieht Maschinen, Werkzeuge, Kräuterpressen, Produktionsprozesse, ebenso wie eine Bibliothek mit historischen Texten oder wertvolle Glas-, antike Keramik- Kupfer- und Bronze-Utensilien, die von dem Unternehmen über die Turbulenzen der Jahrhunderte hinweg gerettet und stets sorgsam bewahrt und gepflegt worden sind. Der Kräutergarten schließlich ist der perfekte Ort für innere Einkehr oder entspannten Müßiggang, eine Oase für die Seele, die seit Jahrhunderten unberührt geblieben zu sein scheint. Hier wurden die oftmals adeligen Kunden der „Farmacia“ von den Mönchen mit selbstgebrauten Likören und Elixieren wie Alkermes und Elisir di China, oder auch mit heißer Schokolade (dem damaligen Trend- und Modegetränk) bewirtet.

Unter der Leitung von Eugenio Alphandéry werden die althergebrachten Traditionen der Kräuterkunde sowohl fortgesetzt und gepflegt, als auch behutsam und mit Bedacht modernisiert. Die Officina Profumo Farmaceutica di Santa Maria verwendet und verarbeitet ausschließlich natürliche Rohstoffe von höchster Qualität – der Bewahrung der von den Firmen-Altvorderen und Gründervätern überlieferten Herstellungsverfahren kommt dabei ein besonderer Stellenwert zu; so stehen Kräuter und natürliche Öle auch heute noch ganz im Mittelpunkt der Produktpalette der „Farmacia“, und moderne Technologie wird mit traditionellen Herstellungsmethoden kombiniert.

Der größte Teil der Heilkräuter und Pflanzen, die in ihren Produkten Verwendung findet, wächst in der näheren Umgebung, auf den sonnigen Hügeln rund um Florenz. Ihrem hohen Anspruch entsprechend, legt die „Farmacia“ auch besonderen Wert auf den völligen Verzicht auf jegliche Tierversuche.

Namhafte Produkte aus dem Hause Officina Profumo-Farmaceutica di Santa Maria Novella gibt es viele, die jahrhundertelange Firmengeschichte hat zahlreiche Klassiker hervorgebracht. Stellvertretend genannt seien hier nur etwa das Peeling-Pulver „Polvere pro biancare le Carni“, das ohnmachtslindernde Riechsalz „Aceto Aromatico dei Sette Ladri“, welches auf einer alten Formel der Mönche aus dem Jahr 1600 basiert, ebenso wie das für seine beruhigende und krampflösende Wirkung bekannte Acqua di Santa Maria Novella (ehemals „Acqua Antisterica“), oder das Parfum Acqua della Regina, das eigens für die spätere französische Königin Caterina dei Medici kreiert wurde, und als „Eau de la Reine“ den Ruhm der florentinischen „Farmacia“ bis nach Frankreich und an den französischen Königshof trug …

Die außergewöhnlich breit gefächerte und hochexklusive Palette der Erzeugnisse der Officina Profumo-Farmaceutica di Santa Maria Novella, die einen olfaktorischen Bogen von süßen Iris-, Rosen- oder Gardenien-Düften bis hin zu frischen Eisenkraut- und Vetiver-Noten spannt, umfasst ferner u.a. kostbare Seifen, Badeessenzen und Shampoos (übrigens nicht nur für menschliche Kundschaft, sondern auch für Katzen und Hunde!), Conditioner, Raumdüfte, Kerzen, verschiedene Gesichts-, Rasur- und Körperpflegeprodukte, Honig, Marmelade, Liköre, Tees und Schokolade, sowie eine ganze Reihe erlesener Eaux de Cologne. Speziell zweien von ihnen – den beiden Jubiläumsdüften „Ottone“ und „Porcellana“ – möchte ich mich in einem weiteren Artikel zuwenden, der hier schon in Kürze erscheinen wird.

Alle Fotos mit freundlicher Genehmigung der Officina Profumo-Farmaceutica di Santa Maria Novella, Via della Scala 16, 50123 Florenz, Italien. Homepage: http://www.smnovella.com

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