BURNING MAN: Ein Utopia in der Wüste

Burning ManDas neueste Parfum von Juliette has a Gun, Vanilla Vibes, ist inspiriert vom amerikanischen Kult-Event „Burning Man“. Feuer, Beats und Wüstensand: Aus aktuellem (Duft-)Anlass – ein Porträt eines Festivals, wie es auf der Welt kein zweites gibt.

Das Burning Man ist zweifellos eines der außergewöhnlichsten Festivals der Welt. Allein schon der Ort des einwöchigen Spektakels – die karge Salztonebene der Black-Rock-Wüste im Nordwesten von Nevada – bietet Szenarien wie aus einem postapokalyptischen Endzeit-Film:

Eine große, weite, öde Wüstenebene. Brennende Hitze und gleißendes Sonnenlicht. Windböen wie aus dem Nichts, die große Staubwolken aufwirbeln und die Sicht verschleiern. So gut wie keine Spuren von Vegetation. Und all das weit draußen, entlegen, fernab der Zivilisation.

Der Schauplatz des alljährlich im Spätsommer stattfindenden Großevents könnte durchaus auch ein fremder Planet sein. Und nicht zuletzt gerade dieses surreale „vom anderen Stern“-Gefühl ist es, das das Burning Man zu einem einzigartigen Ereignis macht. Irgendwo zwischen Electro-Rave, kultischem Ritual, Survival-Trip, gesellschaftlicher Utopie und dadaistischer Kunstaktion. Auf jeden Fall: ein großes Fest für Freaks. Ein Mekka für Utopisten. Ein Karneval der Kuriositäten.

Burning Man - Haus - Vehicle

Ja, an Utopischem und Kuriosem mangelt es wahrlich nicht beim Burning Man. Besonders charakteristisch: die spektakulären, oft grotesk überdimensionierten „Art Cars“ und „Mutant Vehicles“, die auf dem Wüstengelände zahlreich und unermüdlich ihre Runden drehen. Ein riesiger Staubsauger, Blech- und Stahlkolosse in Insekten- und Tiergestalt, feuerspeiende Drachen, ganze Schiffe auf Rädern: all das fährt beim Burning Man mit der größten Selbstverständlichkeit quer durch die Wüste. Frei nach dem Motto: „Seien wir realistisch – versuchen wir das Unmögliche“. 

So richtig schön wird es beim Burning Man aber erst nachts. Wenn die Sonne untergegangen ist, gehen auf dem Festival-Gelände unzählige LED-Lampen an und tauchen die Wüste in ein Meer aus Lichtern und Farben. Sie beleuchten schlicht alles, was da steht oder sich bewegt – Menschen, Kunstwerke, monumentale Skulpturen. Und, nicht zu vergessen: tausende Fahrräder, die allenthalben durch die Wüstennacht fahren! Sie sind das Hauptverkehrsmittel auf dem Festival. Die exzessive Beleuchtung von allem und jedem dient zwar primär der Sicherheit – verleiht dem nächtlichen Spektakel aber zugleich eine unvergleichliche Magie.

Burning Man - Musik

Mehr noch aber als tausende elektrische Lichter prägt ein Element das große Wüsten-Fest, wie es urtümlicher kaum sein könnte: das Feuer. Der Name „Burning Man“ deutet es bereits dezent an: Hier geht so manches in lodernden Flammen auf. Allen voran natürlich der „Burning Man“ selbst, eine kultische Figur, die einen Menschen darstellt. Ihre Verbrennung, die traditionell am Samstag gegen Ende des Festivals stattfindet, ist der rituelle Höhepunkt der Großveranstaltung.

Einen Tag danach wird auch der Burning-Man-Tempel feierlich niedergebrannt. Dieses oft filigran und fantasiereich aus Holz gefertigte Gebäude wird während des Festivals vielfach von den Teilnehmern aufgesucht und im Inneren mit zahlreichen persönlichen Botschaften beschriftet. Doch nichts ist für die Ewigkeit beim Burning Man – und vieles Wunderliche, Wundersame und Wunderschöne wird am Ende zum Raub verzehrender Flammen.

Feuerspucker

Zusammen mit den wummernden Rhythmen der vor Ort aufgefahrenen Soundsysteme verleiht der exzessive Flammenzauber dem Festival eine kultische, zuweilen archaisch anmutende Atmosphäre. Die pyromanische Tradition geht zurück auf die Ursprünge des Burning Man, die am Baker Beach bei San Francisco liegen. Der Strand mit direktem Blick auf die berühmte Golden Gate Bridge war Schauplatz der ersten Burning-Man-Zusammenkunft. Bei dieser wurde 1986 erstmals eine mehr als zwei Meter große Holzfigur im Rahmen eines Lagerfeuer-Rituals verbrannt – seinerzeit im Beisein von gerade einmal 35 Menschen.

Im Laufe der Zeit änderte sich nicht nur der Austragungsort des Burning Man, das 1990 vom beschaulichen kalifornischen Pazifikstrand in die unwirtliche Black-Rock-Wüste umzog – sondern auch die Teilnehmerzahl: von wenigen hundert in den ersten paar Jahren bis hin zu aktuell rund 70.000 Besuchern.

Baker Beach

Wo alles begann: Am Baker Beach bei San Francisco fand 1986 das erste Burning-Man-Ritual statt

Die Veranstalter des Burning Man legen indes Wert darauf, weniger ein klassisches „Festival“ als vielmehr eine temporäre Gemeinschaft, eine Stadt auf Zeit in der Wüste zu sein. Und tatsächlich ist beim Burning Man vieles anders als bei herkömmlichen Festivals. Das beginnt schon bei den sonst festival-üblichen Ständen mit überteuerten Getränken: Es gibt sie nicht. Ein Programm: gibt es auch nicht. Vielmehr sind die Teilnehmer selbst für die Versorgung und die Programmgestaltung zuständig.

Tatsächlich geht es beim Burning Man nicht darum, für sein Geld ein zuvor genau definiertes Unterhaltungsprogramm geboten zu bekommen – statt bloßen Konsumierens ist Eigenverantwortung, aktives Sich-Einbringen in eine auf Kooperation angelegte Community und gemeinschaftliches Leben und Überleben in einer lebensfeindlichen Umgebung angesagt.

Burning Man - Tempel

Passend dazu gibt es für jeden Teilnehmer vorab eine „Überlebens-Checkliste“, auf der unverzichtbare Utensilien aufgelistet sind, die zum Burning Man mitzubringen sind. Auf dieser findet sich von „1,5 Gallonen Wasser pro Person und Tag“ über Sonnenschutz und warme Schlafsachen für kühle Wüstennächte bis zur „Staubschutzmaske und -brille gegen Sandstürme“ alles, was zu einem einwöchigen Aufenthalt in der Wüste nötig ist. Aber auch „gesunder Menschenverstand“, eine „positive Einstellung“ oder „Sinn für Humor“ stehen als unverzichtbare Must-haves auf der Liste.

Ähnlich einer Verfassung oder den biblischen „Zehn Geboten“ hat auch das Burning Man zehn eiserne, unverhandelbare Grundsätze. Zu diesen gehören etwa „radikale Inklusion“, „radikale Selbstentfaltung“, eine Ökonomie des „Beschenkens“ oder das Prinzip „Hinterlasse keine Spuren“. Wer am Burning Man teilnimmt, ist aufgefordert, diese Grundregeln zu beherzigen und zu leben. Dahinter steckt eine eigene Philosophie: Jeder soll teilnehmen (Inklusion) und seine Individualität zum Ausdruck bringen können (Selbstentfaltung), geben, ohne dafür etwas zu erwarten (Beschenken) – und keine Spuren hinterlassen,  das heißt: alles, was mitgebracht wurde, wieder mitnehmen.

Im Idealfall haben also am Ende des Burning Man 70.000 Menschen eine Woche lang miteinander in der Wüste gelebt und gefeiert, sich radikal selbstentfaltet und gegenseitig beschenkt – und es bleibt davon nicht mehr zurück als warmer Wüstenstaub.

Streichholz

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.