CARON – eine Haute-Parfumerie-Geschichte aus Paris

CaronCaron ist einer der großen, unvergänglichen Namen der französischen Parfümeriehistorie. Die Geschichte des Traditionshauses geht auf das Jahr 1904 zurück; damals eröffnete der russischstämmige Chemiker und Parfümeur Ernest Daltroff die erste Dependance der Haute-Parfumerie-Marke in der Pariser Rue de la Paix. Zuvor firmierte dort eine Kurzwarenhandlung namens „Caron“; Ernest Daltroff beschloss kurzerhand, den ebenso griffigen wie klangvollen Namen beizubehalten. Eine pragmatische Entscheidung – und zugleich die Geburtsstunde einer Legende.

Aus der Caron-Historie nicht wegzudenken ist auch der Name der Designerin Félicie Wanpouille, die bei Caron über Jahrzehnte hinweg die Position einer Kreativdirektorin innehatte. Sie entwarf viele der noblen Parfumflakons mit Baccarat-Kristallwaren und übernahm außerdem nach dem Tod Ernest Daltroffs im Jahr 1941 die Regie des Hauses. So eng war die Zusammenarbeit und Verbundenheit der beiden kreativen Köpfe, dass Félicie Wanpouille bisweilen „Madame Daltroff“ genannt wurde. Zusammen mit ihr kreierte Ernest Daltroff die großen, berühmten Meilensteine des Hauses: Narcisse Noir (1911), N’aimez que moi (1916), Tabac Blond (1919), Bellodgia (1927), Fleur de Rocaille (1933) und den legendären Pour Un Homme (1934).

Haus Caron, E. Daltroff

Wo alles begann: Das historische Haus Caron in der Pariser Rue de la Paix (links), Caron-Gründer Ernest Daltroff (rechts)

Caron – Parfums voller Geschichte(n)

Jeder der Düfte ist verknüpft mit interessanten Geschichten, oft ganz nah am Puls ihrer jeweiligen Zeit: N’aimez que moi etwa ist ein Kind des Ersten Weltkrieges – ein Parfum, das seinerzeit junge Soldaten ihren Freundinnen zuhause als Geschenk zu hinterlassen pflegten. Tabac Blond und En Avion hingegen wirken rückblickend wie duftende Manifestationen der weiblichen Emanzipation, irgendwo zwischen „feminin“ und „feministisch“: Den Duft Tabac Blond, eine feine Komposition aus russischem Leder, Blumen und edlen Hölzern, widmete Ernest Daltroff 1919 der modernen, unabhängigen Frau, die den (damals durchaus noch revolutionären!) Schneid hatte, in der Öffentlichkeit Hosen zu tragen und Zigaretten zu rauchen. Acht Jahre später setzte er auf diese Vision noch einen drauf und kreierte mit En Avion eine Hommage an die Königinnen der Lüfte – an weibliche Flugzeugpilotinnen, Sinnbild der Kühnheit abenteuerlustiger Draufgängerinnen.

Caron - Pour Un Homme

Der Erste: Carons Pour un Homme gilt als der erste Duft, der exklusiv für Männer komponiert wurde

Weitere sieben Jahre sollten vergehen, ehe erstmals auch der Mann in Carons Parfum-Fokus rückte: Pour un Homme de Caron, jener zeitlos-charismatische Herrenduft rund um Lavendel und Vanille, gilt als das erste Parfum, das exklusiv für Männer komponiert wurde. Mittlerweile gibt es vier Variationen dieser Mutter aller Herrenparfums: eine hochkonzentrierte Extrait-Version (Parfum), eine sommerlich-leichte (L‘ Eau) und eine sportliche (Sport) Interpretation – sowie eine Jubiläums-Edition (Millésime), die eigens zum 80. Geburtstag des großen Originals im Jahr 2014 kreiert wurde.

Caron_ - Narcisse Noir

Narcisse Noir: Der legendäre Caron-Duftklassiker ging mit „Sunset Boulevard“ sogar in die Filmgeschichte ein

Der Caron-Klassiker Narcisse Noir indessen (außerhalb Frankreichs auch als „Black Narcissus“ bekannt) schaffte es sogar, nicht nur in die Parfum- sondern auch in die Filmgeschichte einzugehen: Die Schauspielerin Gloria Swanson machte den Duft unsterblich, als sie 1950 in dem Filmdrama Sunset Boulevard einen Parfumflakon in den Händen hielt und die Worte „Black Narcissus“ säuselte; heute würde man das wohl als „Product Placement“ bezeichnen. Doch viel Schauspielkunst musste Gloria Swanson vermutlich gar nicht in die Szene investieren; denn der Leinwandstar war auch im richtigen Leben ein begeisterter Fan der göttlichen Duftmelange aus Rosen, Orangenblüten, Moschus und Sandelholz. Mit dieser soll einst sogar das Filmset von Sunset Boulevard beduftet worden sein – auf ausdrücklichen Wunsch von Gloria Swanson (tja… Filmdiva müsste man sein!).

Weitere historische Parfumschöpfungen fingen den Zauber besonderer Jahreszeiten und Orte ein. So etwa der festliche Weihnachtsduft Nuit de Noël (1922), die Frühlingsblumen-Sinfonie Muguet du Bonheur (1952) – oder Bellodgia (1927), Ernest Daltroffs florale Hommage an die Schönheit des norditalienischen Städtchens Bellagio am Comer See.

Von Rosen, Puder und Duftbrunnen

Über die Welt der Düfte hinaus wagten Ernest Daltroff und Félicie Wanpouille bereits in den Anfangstagen von Caron auch einen Abstecher in die Gefilde der Make-up-Kosmetik: Neben zahlreichen herausragenden Parfums entwickelte das Duo einen Herstellungsprozess für die Caron-eigene, mit einem Hauch von Bulgarischer Rose parfümierte „Poudre Libre“. Dabei handelt es sich um einen außergewöhnlichen losen Puder, dessen genaue Rezeptur bis heute ein gut gehütetes Firmengeheimnis ist.

Caron - Duftbrunnen

Ikonisch: Die Caron-Duftbrunnen spenden köstlichen Parfumnektar

Nach mehreren Inhaberwechseln seit den 1960er Jahren wurde Caron im Jahr 1998 von dem Haarpflege-Pionier Patrick Alès übernommen. Mit dem legendären Gründer des Hauses verbindet ihn eine besondere Vorliebe für die Rose: Während Ernest Daltroff seine Liebe zur Königin aller Blumen in seinen Parfumkompositionen mit oft großzügiger Verwendung von Rosenessenz zum Ausdruck brachte, rief Patrick Alès einen der schönsten und edelsten Rosengärten im französischen Val de Loire ins Leben.

Die Führung des Parfumhauses ging zuletzt an Romain Alès über, der eine ebenso alte wie besondere Caron-Tradition mit neuem Leben erfüllte: zauberhafte, mit köstlichem Parfumnektar befüllte „Duftbrunnen“ aus Kristallglas, aus denen die noblen Düfte in Flakons abgefüllt werden. Die spektakulären, sprudelnden Parfumbrunnen sind heutzutage ein Herzstück der Pariser Caron-Boutiquen in der Rue François, in Faubourg Saint-Honore und auf dem Boulevard Saint Germain; man findet sie aber auch in einigen Luxus-Locations in London, New York, Dubai, Moskau und Tokio.

Carons Hausparfümeure: Duftkomposition „en famille“

Eine Spezialität des Hauses Caron ist außerdem die Tradition der „In-House“-Parfümeure: Caron leistet sich – oder vielmehr: seinen Kunden – den selten gewordenen Luxus, Parfums ausschließlich von einem exklusiv unter Vertrag stehenden, hauseigenen Parfümeur kreieren zu lassen. Schon Caron-Urvater Ernest Daltroff war ein solcher „In-House“-Parfümeur, ebenso wie sein Nachfolger Michel Morsetti, der in den 1940er und 50er Jahren Parfums wie Poivre, Farnesiana, Or et Noir oder Muguet du Bonheur für Caron komponierte.

R. Fraysse

Parfumhandwerk als Familientradition: Richard Fraysse war bis 2015 Hausparfümeur bei Caron. Mittlerweile komponiert sein Sohn William Düfte für Caron – als Parfümeur in bereits vierter Generation

Carons aktueller Hausparfümeur ist William Fraysse. Er entstammt einer regelrechten „Familiendynastie“ außergewöhnlicher Parfümeure: Schon sein Urgroßvater war der Schöpfer von Yardleys English Lavender (1913), sein Großvater André Fraysse zeichnete gar als Co-Autor für den LanvinJahrhundertduft Arpège (1927) verantwortlich. Sein Vater Richard Fraysse wiederum war bis 2015 selbst langjähriger Hausparfümeur bei Caron, kreierte Parfumperlen wie L’Anarchiste, Lady Caron, Secret Oud, Tubéreuse, Le 3ᵉ Homme, Yuzu Man oder Montaigne.

Dieser mittlerweile vier Generationen alte familiäre Staffellauf der Parfümeure fand nun mit William Fraysse eine weitere, spannende Fortsetzung. Bei Caron  reüssierte er mit bislang drei Neukompositionen: Der fruchtig-floralen „Roaring Twenties“-Reminiszenz Infini, einer sportlichen Zitrus/Holz sowie einer maskulin-erfrischendenL’Eau“-Interpretation des ewigen Herrenduft-Klassikers Pour un Homme de Caron.

Bei der Familie Fraysse, so beschreibt es Caron, „ist Duft Teil eines Familienerbes“. Und so erschien die Weitergabe des Staffelstabes von Fraysse (senior) an Fraysse (junior) unter dem Dach des Hauses Caron im Jahr 2015 geradezu natürlich: „Der eine beginnt, sich zurückzuziehen – und der andere erscheint auf der Bühne.“ Die hohe Kunst der Duftkomposition bleibt bei Caron also auch weiterhin „en famille“ – in der Familie.

Caron

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