PMP – „Dreckig bleiben“: Grosse Portion Leichtigkeit des Seins mit ’ner frischen Prise Schmuddel…

PMP - Dreckig bleiben

Parfums tragen ja normalerweise betont gefällige Namen: Sinnlich. Romantisch. Blumig. Verträumt. Schwelgerisch. Distinguiert. Pathetisch. Poetisch. Schon der Parfumname soll regelmäßig gar nicht erst einen Zweifel daran aufkommen lassen, dass sich im Inneren des Flakons irgendetwas anderes als purer Wohlgeruch befindet.

Da muss man natürlich schon zwei Mal hinschauen, wenn einem ein Parfum auf den Tisch kommt, das den Namen „Dreckig bleiben“ trägt. Man reibt sich verwundert die Augen, schaut ein zweites Mal hin – doch der Name ist noch immer derselbe: Dreckig bleiben!

Erste, spontane Erklärung: ein Produktionsfehler. Da ist wohl bei der Etikettierung was schief gelaufen. Die Labels müssen versehentlich vertauscht worden sein! Ursprünglich sollte das Etikett eigentlich auf eine… ja, klar – was denn auch sonst: Porno-DVD, die jetzt aber stattdessen mit dem Titel „Veilchenzauber“, „Un poème parfumé“ oder „Essenz Nr. 148“ in die Videotheken und in den Erotik-Fachhandel kommt… während das Edel-Parfum nun einen schmuddeligen Titel aus dem Bereich der Erwachsenenunterhaltung trägt.

Doch dann stellte sich überraschend heraus: Das Etikett ist korrekt und das Ding auf meinem Tisch heißt tatsächlich so. Dreckig bleiben! Ein Parfumname mit gewiss erhöhtem Erklärungsbedarf. Und erklären lässt er sich ungefähr so:
beiden kreativen Köpfe hinter „Dreckig bleiben“, Stefanie Mayr und Daniel Plettenberg („PMP – Perfumes Mayr Plettenberg“), mit diesem neuen Duft zum Ausdruck bringen möchten. O-Ton Mayr/Plettenberg:

„Dreckig bleiben ist – neben dem vermutlich antagonistischsten Namen für einen Duft überhaupt, der Gegenentwurf zu immer gleichen und nur selten gehaltenen Versprechungen. Dreckig bleiben bedeutet, mit den besten Freunden, in der uralten aber gemütlichen Jogginghose, am Fluss um das Lagerfeuer zu sitzen. Mit den Füßen im Sand und einem Glas Wein in der Hand. Kein Kostümchen, keine High Heels, kein weißes Hemd. Nicht tun als ob, sondern einfach selbst sein. Keine Etikette, keine Tricks. Ich bin ich. Und am nächsten Morgen krabbele ich aus dem Bett, bin glücklich und zufrieden und trage immer noch den Duft der Nacht und des Lagerfeuers an mir. Besser kann es nicht sein.“

Um diese Laisser-faire-Vision eines Lebens frei von oberflächlichen gesellschaftlichen Zwängen, Förmlichkeiten und Konventionen, gewürzt mit einer erfrischenden Prise Schmuddel in die Tropfen eines Parfums zu gießen, haben Stefanie Mayr und Daniel Plettenberg einen ausgewiesenen Meister seines Fachs ins Boot geholt: Top-Parfümeur Mark Buxton. Dessen Metier ist normalerweise gar nicht der Schmuddel, sondern vielmehr erlesene Parfumkompositionen für prestigereiche Marken wie Comme des Garcons, Givenchy, Cartier oder Van Cleef & Arpels. Oder auch für seine ganz persönlichen Duftlinien Mark Buxton Perfumes und „mb“ (Biehl Parfumkunstwerke). Doch ein Profi wie Mark Buxton hat es natürlich auch locker drauf, einen Sponti-Spruch vom Bauwagenplatz, von der Bahnhofstoilette oder der Graffiti-Mauer von nebenan in ein Parfum zu übersetzen.
Der Parfümeur: Mark Buxton
Wer nun Schlimmstes befürchtet oder sich gar ernsthaft um die Unversehrtheit seines Riechorgans sorgt, wird angenehm enttäuscht. So richtig „dreckige“ Ingredienzien sucht man in diesem Parfum vergebens – „und das ist auch gut so“ (…wie ein bekannter Regierender Bürgermeister einmal sagte). Keine subtile Schweißnote also, kein ranziges Fett oder sonstiger olfaktorischer Schweinekram. Stattdessen, fast schon romantisch: der Rauch von Lagerfeuer, das dazugehörige Brennholz – und eine großzügige Portion Leichtigkeit des Seins

„Dreckig bleiben startet mit einem Akkord aus kalabrischer Bergamotte, tunesischem Neroliöl, sizilianischer Mandarine und chinesischem Ingwer. Sein Herz trägt die rauchigen Öle der Zistrose, die Öle der Gurjum-Pflanze und Elemi, und das Öl des Balsambaumes. Die Basis besteht aus erdiger Zeder, dem Öl aus Guaiac-Holz, Sandelholz und Vanille.“

Herzhaftes auf- und einatmen ist also angesagt!

Rauchige Komponenten stehen übrigens nicht von ungefähr im Mittelpunkt dieser „fein abgestimmten Absage an die Oberflächlichkeit“. Die Geschichte des betont unprätentiösen Duftes geht auf das Jahr 2002 zurück, als der damalige Hamburger Innensenator Ronald Schill den umkämpften Bauwagenplatz „Bambule“, ein alternatives Wohnprojekt im Hamburger Szene-Kiez St. Pauli, mit einem Großaufgebot an Polizei räumen ließ. Die Designerin und heutige Parfum-Schöpferin Stefanie Mayr selbst war damals Bewohnerin der „Bambule“, deren widerständisches Motto „Dreckig bleiben!“ lautete, das man dem Rest der Welt, einem ausgestreckten Mittelfinger gleich, rotzig-trotzig entgegenschleuderte. Man wollte nicht angepasst leben, sich nicht den Regeln der bürgerlichen Welt unterwerfen; man wollte frei sein und eigene Vorstellungen von Wohnen und Zusammenleben praktizieren – jenseits des „Mainstreams“, des großen Stroms…

Die Designerin und der Marken-Macher: Stefanie Mayr und Daniel Plettenberg
Da das Gelände des Bauwagenplatzes seinerzeit von gemütlich vor sich hin flackernden Feuerstellen geprägt war, steht für Stefanie Mayr bis heute der Geruch von Rauch und niederbrennendem Feuerholz symbolisch für jenes „Dreckig bleiben“, das sie als Lebensmotto bis in die heutige Zeit hinübergerettet hat – und weiter aktiv promotet: In ihrem Hamburger Ladengeschäft „Elternhaus“ ist der Slogan (neben anderen querköpfigen Sinnsprüchen wie „Das stärkste Betäubungsmittel der Welt ist das Verlangen, dazuzugehören“ oder „Wenn ihr uns nicht träumen lasst, lassen wir euch nicht schlafen“) u.a. als Aufdruck auf T-Shirts und Jutetaschen erhältlich.

Überhaupt: Feuerholz. Holz ist auch eine zentrale Komponente des Parfumflakons von Dreckig bleiben, der die individualistische und unkonventionelle Philosophie hinter dem Duft ebenfalls transportiert und (im wahrsten Sinne) in sich trägt. Oder, genauer gesagt: Im hölzernen Parfumdeckel! Der nämlich ist handgearbeitet aus jahrhundertealtem Holz, das zuvor in früheren Fachwerkhäusern verbaut war. Der Verschluss atmet somit mit jedem kleinen Holzspalt Geschichte, Alltags- und Lebensgeschichte, und keiner ist wie der andere: „Dreckig bleiben belebt dieses alte Holz neu. Und jeder Deckel ist anders, denn jedes Holz ist anders, denn wir alle sind anders“, wie es in der Produktinformation von „Perfumes Mayr Plettenberg“ bedeutungsschwanger heißt.

Irgendwie ja eine grandiose, fantastische Vorstellung: Man kann also tatsächlich mit Fug und Recht sagen, dass in dem Holz der Flakonkappe von Dreckig bleiben in früheren Jahrhunderten – festhalten, jetzt kommt’s: Menschen gelebt haben! (Welcher Parfumverschluss konnte das bislang von sich behaupten?) … Ob die dabei nun immer „dreckig geblieben“ sind, ist zwar nicht überliefert, aber klar ist: Dieses Holz könnte uns gewiss unzählige Geschichten erzählen von Freude und Leid, Liebe und Hass, Erfolg und Scheitern, Leben und Tod – wie schade eigentlich, dass es nicht sprechen kann…


PMP - Dreckig bleiben

PMP - Dreckig bleiben - EdP - Online bestellen! - Essenza Nobile®PMP – Dreckig bleiben – EdP – Online bestellen! – Essenza Nobile®http://essenza-nobile.de/duefte/PMP/Dreckig-bleiben-EdP.htmlDreckig bleiben…? Ja, Sie haben richtig gelesen: der Name dieses außergewöhnlichen Parfums lautet tatsächlich „Dreckig bleiben“. Dabei handelt es sich um einen alten Slogan aus…

Kommentar verfassen