Ramón Monegal – Spanisches Dufthandwerk in der vierten Generation

Monatsaktion Ramon Monegal

Ramon Monegal bei der Duftkreation

Hier sieht man Ramon Monegal beim Schaffensprozess

Die Kreation edler Parfums ist für Ramón Monegal Maso Familiensache. Seit 1916 ist dieser Name aus der spanischen Duftwelt nicht mehr wegzudenken und eng verknüpft mit einer der ersten spanischen Duftmanufakturen, der Maison Myrurgia – ihres Zeichens Hoflieferant des spanischen Königs. Mitte der siebziger Jahre durfte Ramón Monegal hier die  Grundlagen der Haute Parfumerie erlernen. Doch er wollte mehr erfahren, mehr ausprobieren und auch Einflüsse von außerhalb auf seinen kreativen Schaffensprozess einwirken lassen – und so führten ihn die weiteren Stationen seines Lernens quer durch Europa. In Genf fand er seinen zukünftigen Mentor, Arturo Jordi Pey (Firmeninch), in Grasse lernte er bei Marcel Carles und in Paris bei niemandem Geringeren als dem Jahrhunderparfumeur Pierre Bourdon, der heute Düfte für die Edition de Parfums Frederic Malle Legenden wie Iris Poudre geschaffen hat. Wie unschwer an Flakons und den nahezu künstlerischen Inszenierungen der Düfte zu erkennen ist, ist Señor Monegal auch in Sachen Design kein Unwissender, denn parallel zu seinem Lernprozess der Parfümerie studierte er in Barcelona “Konzeption, Design und Kommunikation”.

Visual zur Duftkollektion von Ramon Monegal

Ramón Monegal hat in Barcelona auch Visuelle Kommunikation studiert. Dies ist an den Visuals seiner Düfte kaum zu übersehen.

1979 war es dann soweit und Ramón Monegal lancierte seinen ersten erfolgreichen Duft: “Alada”. Da der Duft nicht nur auf künstlerischer Ebene ein Meilenstein, sondern auch ein kommerzieller Erfolg war, stieg Monegal innerhalb von Myrurgia auf.  Als das Unternehmen in den Neunziger Jahren jedoch von Anton Puig aufgekauft wurde, nahm er dies zum Anlass sich seinen Lebenstraum zu verwirklichen: Die Lancierung der eigenen Düfte unter seinem Namen – Ramón Monegal.

Er entwickelte und entwarf im Feuereifer, fühlte sich frei, endlich die Düfte zu erschaffen, die das sinnliche Herz der Träger seiner Werke erreichen. Über den Geruchssinn möchte er eine Verbindung herstellen und Gefühle vermitteln. Auch wenn er das Familienunternehmen Myrurgia zwischenzeitlich verlassen hat, so möchte er doch die Familientradition in die fünfte Generation führen und Luxus von höchster Exzellenz erschaffen. Ein Parfum kann für ihr nur Kunst sein, wenn es frei und ohne Obligationen entsteht. Formeln und Rezepturen müssen nach ursprünglicher Handwerkskunst erstellt werden, frei von einschränkenden Faktoren – das ist im Endeffekt auch ein wesentliches Merkmal, das für ihn Luxus definiert. Nachdem in den Achtziger und Neunziger Jahren das

Flakon von Ramon Monegal

Auch beim Flakon macht Ramon Monegal keine Abstriche. Der Deckel aus echtem Bakelit ist mit einem Scharnier direkt an dem Glaskörper befestigt.

Parfum mehr und mehr zum Massenprodukt wurde,  anstatt Individualität auszustrahlen, wurde Ramón Monegal klar, dass er genau in die entgegengesetzte Richtung arbeiten musste. Für Monegal ist es wichtig, in alle Arbeitsschritte involviert zu sein: von der Mazeration/Reifung der Ingredienzien, der Kontrolle der Qualität seiner Duftstoffe bis hin zur Produktion selbst.  Auch seine Flakons sind bis heute einzigartig in der Welt des Parfums und zeugen von seinem gnadenlosen Perfektionismus.  Sie sind Zeugnis seiner Leidenschaft für die Dichtkunst. Ramón Monegal macht Worte zu Duftnoten, Metaphern zu Akkorden und so möchte auch diese Leidenschaft visuell in der Arbeit gespiegelt werden. Dies gelingt Monegal mit „L‘Encrier“, dem Tintenfassflakon in seiner einzigartigen Form und seiner süchtig machenden Haptik. Der Flakon  hat hier die Rolle eines Bewahrers und gleicht einem Schatzhüter. Gekrönt wird dieser von einer Verschlusskappe aus Bakelit, dessen Verwendung einen bestimmten Hintergrund hat: Monegal wollte diesem klassischen Material eine wertige Renaissance bescheren. Schon in der Mitte des 20. Jahrhunderts wurde Bakelit in der Luxus-Parfumindustrie verwendet.

Señor Ramón Monegals Düfte sind Ausdruck seiner Gefühle und Emotionen. Sie sind voll der mediterranen Energie und des Zaubers, sie regen zum Nachdenken an, sie sind sinnlich verlockend und stimulierend und oftmals auch schlichtweg überraschend. Gerade letzteres ist durchaus gewollt. Monegal möchte dazu einladen Präferenzen abzulegen, Neues auszuprobieren und bekannte Noten von einer anderen Seite zu betrachten, um somit auch das persönliche Spektrum zu erweitern und neue Leidenschaften zuzulassen. Dies gelingt ihm beispiellos gut, denn so haben wir es in unserer Parfümerie häufiger erlebt, dass beispielsweise Patchouly-Verweigerer große Freude an Mon Patchouly empfunden haben.

Die Düfte Monegals sind eigen – sie wurde nicht geschaffen um einem Massengeschmack zu entsprechen, sondern um von ihrem passenden Träger entdeckt zu werden. Aficionados, Individualisten und Kenner der Nischenparfümerie sind diejenigen, die mit Freude ihren Ramón Monegal Flakon betrachten und verwenden. In dieser Linie versteckt sich so manch ein edler Fund für den passionierten Liebhaber edler Düfte. Gehen Sie auf Entdeckungsreise!

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3 Gedanken zu “Ramón Monegal – Spanisches Dufthandwerk in der vierten Generation

  1. Im Juli 2012 hatte ich die große Ehre und das Vergnügen Ramón Monegal, seine Frau Maria Campeny und seinen Director Francisgo Gratacós kennenzulernen und einen wunderbaren Tag mit ihnen zu verbringen. Ramón Monegal ist 2008 bei Puig ausgestiegen, als Puig die Marke Myrurgia mehr oder weniger eingestampft und Maja nach Mexiko verkauft hat. Er hat ein Jahr Pause genommen und in dieser Zeit ein wunderbares Buch geschrieben “La Perfumista” – Die Parfümeurin. Er gewährte mir eine volle Stunde, in der ich ein Interview mit ihm führen konnte – dieses Interview ist im Duftforum http://www.parfumo.de in meinem Blog nachzulesen:
    http://www.parfumo.de/Benutzer/Florblanca/Blog/Eintrag/Interview_mit_Ramn_Monegal_anllich_seines_Besuchs_in_Deutschland_am_11_07_2012

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