Serie – „Jungbrunnen Schlaf“. Teil 1: Schlafen Sie sich schön, gesund… (und sogar schlank)!

 

 

„Geh jetzt schlafen, damit du morgen schön bist…“

(Jean Anouilh – Antigone)

Und es gibt ihn doch: den Schönheitsschlaf! Manch eine(r) erinnert sich gewiss noch an unsere beliebte „Jungbrunnen“-Serie aus dem vergangenen Jahr. Bei meiner weiteren Suche nach etwas, das dem mythologischen Menschheitstraum vom „Jungbrunnen“ zumindest nahe kommt, bin ich auf ein Thema gestoßen, das zunächst eigentlich recht trivial klingt – es aber bei genauerer Betrachtung Jungbrunnen-mäßig ganz schön in sich hat: unser Schlaf.

Die Bedeutung des Schlafes wird zuweilen grob verkannt oder geringgeschätzt. Gerade in westlichen Industrieländern, in denen die Devise nicht selten „Zeit ist Geld“ lautet, wird der Schlaf oftmals sogar regelrecht verachtet, als vermeintlich unnützer Räuber von Lebenszeit. „Wer länger schläft als sieben Stund´, verschläft sein Leben wie ein Hund“, lautet etwa ein deutsches Sprichwort. Ganz anders betrachteten das hingegen etliche bekannte Dichter und Denker vergangener Tage, die oftmals wohl allein schon rein intuitiv um die Bedeutung des Schlafes für ihr eigenes Leben und Wirken wussten. Wie etwa Arthur Schopenhauer, der metaphorisch feststellte: „Der Schlaf ist für den ganzen Menschen, was das Aufziehen für die Uhr“. Oder Heinrich Heine, der vom Schlaf nachgerade leidenschaftlich schwärmte: „Der Schlaf ist doch die köstlichste Erfindung!“. Franz Kafka erwehrte sich des Drangs zum Frühaufstehen mit einem regelrechten Aufschrei: „Dies frühzeitige Aufstehen macht einen ganz blödsinnig. Der Mensch muss seinen Schlaf haben!“, postulierte er – während Carl Zuckmayer dem Schlaf eine geradezu essenzielle Bedeutung für das Leben schlechthin zuschrieb: „Der eigentlich hervorbringende, fruchtbare Teil unseres Daseins ist der Schlaf“. Und für Goethe, der sich bekanntlich selbst regelmäßig mindestens neun Stunden Schlaf pro Tag gönnte, war der Schlaf sogar eine eigene Gottheit: „Ich habe nur zwei Götter: Dich und den Schlaf. Ihr heilet alles an mir, was zu heilen ist“, schrieb er einst an Charlotte von Stein.

Schlaf in der Kunst: Frederick Carl Frieseke, „Der Schlaf“, 1903; Johann Baptist Reiter, „Schlummernde Frau“, 1849.

Und jene göttlich-heilsame („Jungbrunnen“-)Wirkung, die Goethe dereinst dem Schlaf zusprach, ist heutzutage – dank moderner Schlafforschung – auch „streng wissenschaftlich“ mit klinischen Studien und Untersuchungen gut und umfangreich belegt. Ich habe einmal ein paar Beispiele für die aktuellen Erkenntnisse hierzu zusammengetragen – und war dabei selbst überrascht, wie viele mannigfaltige positive Aspekte der Schlaf für unser Leben haben kann…

  • Die neueste Studie zum Thema „Jungbrunnen Schlaf“ ist brandaktuell: sie wurde nämlich erst vor wenigen Tagen – am 14. Dezember 2010 – im Fachmagazin British Medical Journal veröffentlicht! Wissenschaftler des Department of Clinical Neuroscience am Karolinska Institutet in Stockholm haben dabei erstmals mit einer systematischen Untersuchung nachgewiesen, dass es den Schönheitsschlaf wirklich gibt. Und das geht so: 23 weibliche und männliche Versuchspersonen im Alter von 18 bis 31 Jahren wurden jeweils nach ihrem Schlaf fotografiert – und zwar einmal, nachdem sie acht Studen (von 23 bis 7 Uhr) geschlafen hatten, und ein zweites mal nach einer deutlich kürzeren Schlafdauer von nur fünf Stunden.  In beiden Fällen wurden sie für den Fototermin jeweils identisch zurecht gemacht und positioniert und zeigten einen möglichst gleichen Gesichtsausdruck. Die dabei entstandenen Fotos wurden anschließend 65 Testpersonen vorgelegt, die diese auf einer Skala bezüglich ihrer Attraktivität beurteilen sollten. Das Ergebnis: Nach acht Stunden Schlafdauer erreichten die Probanden in der Beurteilung durchweg deutlich höhere Beauty- und Attraktivitäts-Werte als mit nur fünf Stunden Schlaf.
  • Ausreichend Schlaf ist gut fürs Herz – und für ein langes Leben. Eine zu kurze Schlafdauer verdoppelt das Risiko, an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung zu sterben. Das ist das Ergebnis der Whitehall II Studie, einer groß angelegten, über viele Jahre hinweg durchgeführten Verlaufsstudie der Universität Warwick und des University College London mit über 10.000 Versuchsteilnehmern im Alter von 20 bis 64 Jahren. Dabei konnte ermittelt werden, dass Menschen, die ihren regelmäßigen Schlaf über mehrere Jahre hinweg von zuvor sieben auf fünf Stunden reduziert hatten, ein dramatisch erhöhtes Sterblichkeitsrisiko aufwiesen. Zu wenig Schlaf begünstigt zudem Bluthochdruck, Herzinfarkt und Diabetes Typ II.
  • Frauen sollten besonders auf ausreichenden Schlaf achten – denn schon bei weniger als acht Stunden Schlaf pro Nacht erhöht sich deutlich ihr Risiko für Herz- und Kreislaufkrankheiten. Frauen, die acht Stunden pro Nacht schlafen, weisen im Blutbild wesentlich weniger typische Merkmale für Herz- und Kreislauferkrankungen auf als solche, die sieben Stunden oder weniger schlafen. Bei einer Schlafdauer von nur fünf Stunden sind im Blut außerdem die Anzeichen für eine mögliche kardiovaskuläre  Sterblichkeit deutlich erhöht. Das ist das Ergebnis einer gemeinsamen Untersuchung der Warwick Universität und dem University College London.
  • Schönheitsschlaf ist (auch) Männersache. Speziell bei Männern kann ungenügender Schlaf offenbar zu Doppelkinn und unschönen Speckrollen führen; das jedenfalls fanden Wissenschaftler der Universität von Chicago heraus. Vermutete Ursache: Durch den Schlafmangel wird die Produktion männlicher Wachstumshormone, die primär in der Tiefschlafphase erfolgt, eingeschränkt. Dies hat einen Verlust an Muskelmasse und die Entstehung von Fettansatz zur Folge, was wiederum ungeliebte Beauty-Killer wie Speckröllchen oder ein Doppelkinn entstehen lassen kann.
  • Schlaf macht schlau. Unglaublich – aber wahr: Der Schlaf hat sogar Auswirkungen auf die Intelligenz und unser Gedächtnis! Durch Schlafmangel wird die Gedächtnisleistung verringert. Wie der bekannte Schlafforscher Prof. Dr. Jürgen Zulley erläutert, wird im Tiefschlaf Wissen verarbeitet, im Traumschlaf werden motorische Fähigkeiten geschult. Wissen wird also im Schlaf abgespeichert – daher vergisst wesentlich leichter, wer zu wenig Tiefschlaf bekommt.
  • Genügend Schlaf hält schlank. Schweisstreibender Sport, quälende Diäten – was tut man nicht alles für die Schönheit und um überflüssige Pfunde zu verlieren. Aber: haben Sie es auch schon mal mit einfachem Schlafen probiert? Was zunächst erstaunt – im nächtlichen Schlaf werden immerhin weniger Kalorien verbraucht als bei körperlichen Aktivitäten am Tage – ist eine wissenschaftlich erwiesene Tatsache: wer gut und ausreichend schläft, bleibt eher schlank. Schlafforscher erklären diesen Effekt so: Im Schlaf wird das Appetit hemmende Hormon Leptin ausgeschüttet – nur so gelingt es uns problemlos, eine ganze Nacht lang ohne Hungergefühle durchzuschlafen. Wird der Schlaf jedoch frühzeitig unterbrochen, kehrt der Hunger zurück. Verantwortlich dafür ist das Hormon Ghrelin, das im Wachzustand zu wirken beginnt. Kein Wunder also, dass Kurzschläfer im Durchschnitt wesentlich schneller zunehmen als Normalschläfer. So ergab etwa eine Langzeitstudie der Case Western Reserve University Cleveland mit mehr als 68.000 Frauen erhebliche Gewichtsunterschiede zwischen Kurz- und Normalschläferinnen. Bereits zu Beginn der Studie brachten Versuchsteilnehmerinnen, die sich regelmäßig nur fünf Stunden Schlaf pro Nacht gönnten, durchschnittlich 2,5 Kilogramm mehr auf die Waage als solche, die ausreichend schliefen. Doch damit noch nicht genug: Am Ende der Studie hatten die Kurzschläferinnen nochmals im Durchschnitt 1,5 Kilogramm zugenommen – und das, obwohl sie genauso viel Sport gemacht hatten wie die Normalschläferinnen…
  • Einen ganz ähnlichen Zusammenhang zwischen Schlaf und Übergewicht weist auch eine Untersuchung kanadischer Forscher der Universität Laval (Quebek) mit mehr als 400 Kindern im Grundschulalter (5 bis 10 Jahre) nach. Demnach ist das Risiko für Übergewicht bei Kindern ohne ausreichende Nachtruhe mehr als drei mal höher als bei solchen, die jede Nacht zwölf Stunden schlafen. Interessant: Bei der Studie wurde auch diverse andere mögliche Einflussfaktoren wie etwa die tägliche Nutzungsdauer von Fernsehen und PC, die Regelmäßigkeit sportlicher Betätigung oder aber das Gewicht, Bildungsniveau und Einkommen der Eltern analysiert – doch nichts davon hatte auf die Wahrscheinlichkeit der Entstehung von Übergewicht einen größeren Einfluss als die Dauer des täglichen Schlafes.
  • Ein einmaliger Quell der Vitalität: das Mittagsschläfchen bei der Arbeit. Schlafforscher der Universität Athen haben über sechs Jahre hinweg mehr als 23.000 Männer und Frauen zwischen 20 und 86 Jahren beobachtet. Das Ergebnis ihrer Untersuchungen: wer sich mindestens drei Mal pro Woche ein Nickerchen während der Arbeitspause genehmigt, senkt damit sein Risiko, an Herzversagen zu sterben, um sage und schreibe 64 Prozent! Der beruflich bedingte Stress wird durch den Mittagsschlaf abgebaut, und das Herz erholt sich während der Siesta. Die Schlafforscher empfehlen übrigens, das kleine Mittagsschläfchen bei der Arbeit möglichst regelmäßig einzulegen; wer dies nämlich nur gelegentlich und ab und an mal tut, senkt damit zwar auch noch immer das Risiko eines vorzeitigen Herztodes – dann aber lediglich um rund 12 Prozent.
  • Der Mittagsschlaf bei der Arbeit steigert außerdem auch die Arbeitsproduktivität und senkt das Risiko von Arbeitsunfällen: wie eine Studie der Nasa ergab, kann bereits ein Mittagsschlaf von rund 30 Minuten („Power-Napping“) die Aufmerksamkeit um beachtliche 35 Prozent erhöhen.  Ein Mittagsschlaf mit einem Umfang von 45 Minuten verbessert die geistige Leistung sogar erheblich; dies ist das Ergebnis einer Untersuchung der Harvard Medical School. Bei insgesamt drei Gedächtnistest schnitten Probanden nach einer 45-minütigen Siesta signifikant besser ab als die, die sich kein Mittagsschläfchen gegönnt hatten.

Wie man es also auch immer dreht und wendet: regelmäßiger, erholsamer und ausreichender Schlaf ist in jedem Fall ein Muss – und ein sowohl körperlicher und kosmetischer als auch geistig-mentaler „Jungbrunnen“ sondergleichen! In der nächsten Folge unserer Themenserie „Jungbrunnen Schlaf“ erfahren Sie, wie man den sagenhaften Beauty-Effekt des nächtlichen Schönheitsschlafes mit einer gut abgestimmten kosmetischen Nachtpflege noch zusätzlich wirkungsvoll unterstützen kann… Themenspecial „Jungbrunnen Schlaf“:  zu Teil 2  –  zu Teil 3

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