Dem Aberglauben ein Parfum! SUPERSTITIOUS – ALBER ELBAZ PAR FREDERIC MALLE

Superstitious„Glaube“, so heißt es, „kann Berge versetzen“. Was dann wohl erst Aberglaube so alles kann? Vielleicht ein Fünf-Gänge-Menü zaubern? Einen Bestseller-Roman schreiben? Oder… ein außergewöhnliches Parfum komponieren?

Ja, das alles – und noch viel mehr. Zumindest, wenn es nach Parfum-Koryphäe Frederic Malle und Modeschöpfer Alber Elbaz geht…

„Seit langer Zeit schon“, sagt Frederic Malle, „bewundere ich Alber Elbaz, dessen Arbeit ich Ende der 90er-Jahre kennen lernte, als Pierre Bergé ihn zum Nachfolger von Yves Saint Laurent bestimmte.“ Schon Yves Saint Laurent hatte Frederic Malles Geschmack geprägt, zumal seine Mutter und ihr Umfeld dessen Modeschöpfungen mit Begeisterung trugen.

In Alber Elbaz sah er einen würdigen Nachfolger Saint Laurents, der dessen Stil Ehre erwies und ihn zugleich für eine neue Generation weiterentwickelte. Und später, als Alber Elbaz zum gefeierten Erneuerer des Hauses Lanvin wurde, trug dann auch Frederic Malles Frau Marie von Alber Elbaz entworfene Kleider. „Ich bewunderte ihn“, so Frederic Malle heute, „aus der Ferne“.

Frederic Malle und Alber Elbaz

Frederic Malle und Alber Elbaz – © But Sou Lai

Doch lange dauerte es, bis Malle, wie er selbst sagt, seine „Schüchternheit überwand“, mit Alber Elbaz Kontakt aufnahm und ihn zum Mittagessen einlud. Der Modeschöpfer sagte zu – und kam des Mittags zu Besuch. Beim gemeinsamen Mahl ergaben sich dann überraschend viele Gemeinsamkeiten – von Ansichten über Grundsätzliches, Berufliches und die Welt bis hin zu Lebensphilosophie und gemeinsamen Freunden. Kurzum: Mit Frederic Malle und Alber Elbaz waren sich zwei verwandte Seelen begegnet.

Nicht zuletzt aber in einer Frage waren sich die beiden kreativen Köpfe spontan einig: „Dass in unserer durchprogrammierten, organisierten und logisch erscheinenden Welt immer und überall etwas Essenzielles vernachlässigt werde, nämlich das Irrationale.“ Welche schöpferische Meisterleistung gedieh schließlich je ohne einen großzügigen Schuss Irrationalität?

Einer, der es wohl wissen muss –  Dichterfürst Johann Wolfgang von Goethe nämlich – meinte einmal: „Der Aberglaube ist die Poesie des Lebens; deswegen schadet’s dem Dichter nicht, abergläubisch zu sein.“ ... dem Parfümeur und Modedesigner auch nicht, ist man versucht, hinzuzufügen. Und so teilen auch Frederic Malle und Alber Elbaz „jenseits der Worte, Bilder und Vernunft“ die Überzeugung, „dass wir uns von einem sechsten Sinn und von unserem Aberglauben leiten lassen sollten, den wir weder verurteilen noch unterdrücken sollten – dass wir uns von unseren Instinkten treiben lassen sollten.“

Genau das wollten die beiden Herren fortan gemeinsam tun. Und wie es eben so ist, wenn man mit der Parfum-Koryphäe Frederic Malle an einem Tisch sitzt, kam bald schon die Idee auf, zusammen einen Duft zu entwickeln. Einen Duft, der aus der gemeinsamen Leidenschaft zweier Männer für das Schöne gespeist sein sollte – aber eben auch für das Irrationale, das Instinktive. Was könnte schließlich instinktiver sein als Duft?

SuperstitiousEntsprechend wenig zimperlich ging man dabei zur Sache. Frederic Malle hielt sich nicht unnötig zurück: „Ich hatte Unmengen Ideen – und anstatt sie vorsichtig zu filtern, zeigte ich ihm alles.“ Ja, die Fantasie sollte frei fließen: „Ohne jegliche Zurückhaltung zeigte ich Alber Ideen. Er entschied sich für diese oder jene und entwickelte sie weiter.“

Bald schon war auch klar, wie das gemeinsame Parfum heißen würde: Superstitious – englisch für „abergläubisch“. Im Frühjahr 2016 legte Frederic Malle dann Alber Elbaz einen Entwurf für den Superstitious-Flakon vor: ein Duftfläschchen in geheimnisvollem Schwarz, versehen mit einem goldenen Auge – als Symbol für jenes irrationale Element, das beiden Männern im kreativen Prozess so wichtig, so unentbehrlich erscheint.  

Alber Elbaz gefiel’s – und so wurde das mystische Auge zum Sinnbild des gemeinsamen Projekts… zu „ihrem“ Symbol. „Alles“, erzählt Frederic Malle, „ist auf diese freundschaftliche Art verlaufen. Ich sammelte Ideen und entwickelte mit meinem New Yorker Team tausend Varianten, schließlich legte ich Alber bei einem Mittagessen ohne Beklemmung vor, was wir uns ausgedacht hatten.“

Der Duft Superstitious basiert auf dem Konzept eines „großen Blumen-Aldehyds“ mit kostbaren Rohstoffen, an dem Frederic Malle schon seit längerer Zeit zusammen mit dem Meisterparfümeur Dominique Ropion gearbeitet hatte. Ropion traf sich mit Alber Elbaz, hörte ihm aufmersam zu, „verstand ihn – und vollendete sein Werk mit Alber vor Augen“, wie Frederic Malle erzählt. „Wie bei einem Couture-Kleid passte Dominique sein Kunstwerk Albers Wünschen an. Seine Schöpfung entzieht sich der Klassifizierung, es ist ein modernes Parfum – und erinnert zugleich an einige der Parfumklassiker aus anderen Zeiten.“

Alber Elbaz - Brief Superstitious

Persönliche Worte: Brief von Alber Elbaz zu Superstitious

 Selbst für feine Nasen ist gar nicht so leicht zu ergründen, welche Ingredienzien in Superstitious im Detail enthalten sind. Und genau das war auch die Absicht, die Frederic Malle mit dem Duft verfolgte: „Wie bei Albers Kleidern, deren Struktur man nicht erkennen kann, wollte ich ihm einen echten ‚Klassiker‘ schenken: ein offensichtlich hochwertiges Parfum, dessen Zusammensetzung man jedoch nicht ganz erraten kann, und das ist das Schönste daran.“

Natürlich passt es perfekt zu einem Parfum, das den Namen „Superstitious“ trägt, dass es unergründlich und in gewissem Sinne „unfassbar“ ist. Und wer sich insofern überraschen lassen und lieber auf eigene Faust (bzw. Nase) erschnuppern möchte, welche Essenzen in Superstitious zu finden sind, sollte jetzt lieber diskret wegschauen, wegklicken – uns nicht weiterlesen. Denn zum feierlichen Abschluss dieses Beitrages folgt nun

[ACHTUNG! Duftnoten-Spoilerwarnung!]

eine Auflistung all jener kostbaren Rohstoffe (in alphabetischer Reihenfolge), von denen wir verlässlich in Erfahrung bringen konnten, dass sie in der Superstitious-Komposition eine Rolle spielen. Als da wären: 

Ägyptischer Jasmin

Labdanum-Resinoid

Moschus

Patchouli

Sandelholz

Türkisches Rosenöl

Vetiver aus Haiti

Weihrauch

Superstitious

Superstitious – Alber Elbaz par Frederic Malle bei Essenza Nobile

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