Von der Apotheke ins Parfumlabor: SVEN PRITZKOLEIT – SP PARFUMS

SP Parfums - LogoHatten Sie auch schon einmal den Verdacht, dass Ihr Apotheker heimlich Düfte mischt und Parfums komponiert? Zumindest, wenn dieser Apotheker zufällig Sven Pritzkoleit heißt, lagen Sie mit dieser Vermutung… ziemlich richtig!

Allerdings: Von „heimlich“ kann bei Sven Pritzkoleits Düfte-Mischerei keine Rede sein. Er tut es nämlich in aller Offenheit und Öffentlichkeit, hat sogar ein Buch darüber geschrieben (dazu später noch mehr). Und die Apotheke in der Nähe von Magdeburg, in der er nach seinem Studium der Pharmazie arbeitete, ist seit ein paar Jahren geschlossen.

Doch wenn er auch den Apothekerkittel mittlerweile abgelegt hat – die tiefgründigen Kenntnisse der Essenzen und Moleküle aus seinem Pharmazie-Studium sind gewiss kein Nachteil für die Profession, der er heute mit großer Leidenschaft nachgeht: Parfümeur!

„Seit meiner frühen Kindheit“, erinnert sich Sven Pritzkoleit, „war ich besessen vom Geschmacks- und Geruchssinn. Anfangs wegen der Kochkünste und der Gartenarbeit meiner Großmutter; später durch meine Mutter, die Magie Noire von Lancôme trug.“ Wer könnte da auf Dauer der Versuchung widerstehen, Parfümeur zu werden?

Sven Pritzkoleit

Tauschte den Apothekerkittel gegen das Parfumlabor: Sven Pritzkoleit

Zunächst jedoch studierte er Pharmazie und arbeitete in der familieneigenen Apotheke. Doch wie kam der studierte Pharmazeut dann von der Apotheke ins Parfumlabor? „Während der letzten 20 Jahre brachte ich mir die Grundlagen der Parfumherstellung selbst bei, angefangen bei den Rohstoffen – natürlichen wie synthetischen.“ Begierig nach Parfum-Wissen verschlang Sven Pritzkoleit zahlreiche Fachbücher von Autoren und Parfümerie-Koryphäen wie Edmond Roudnitska, Jean-Claude Ellena, Mandy Aftel, Paolo Rovesti oder Paul Jellinek. Ein kleines „Zweitstudium“ in Eigenregie.

Er knüpfte Kontakte in die Branche, zu Herstellern von Riechstoffen, richtete sich ein Parfumlabor mit einem Arsenal aus mittlerweile mehr als 500 verschiedenen Rohstoffen zur Parfumherstellung ein. Und er begann, das zu tun, was Parfümeure eben so den lieben langen Tag machen: mischen, experimentieren, probieren, komponieren, schnuppern, für gut befinden – oder wieder verwerfen, bis das Ergebnis schließlich zu passen scheint.

2006 war es dann soweit: „Fasziniert von der Kombination aus traditioneller und modern-experimenteller Parfümerie machte ich meine erste richtige Parfum-Komposition.“ Der „Fruitchouly“ Pink Patchouli war geboren – eine Melange aus Roten Beeren, Patchouli, Timberol, Rosa Pfeffer, weißem Moschus und Tonkabohne. Feedback hierzu holte sich Sven Pritzkoleit von einem Duft-Experten von Givaudan, dem weltgrößten Hersteller von Duftstoffen und Aromen. Dieser bestätigte ihm nach einem fachkundigen und intensiven Probeschnuppern, auf dem „richtigen Weg“ zu sein – ein erster kleiner Ritterschlag auf seinem langen Weg zum anerkannten Parfümeur, dem später freilich noch gewichtigere folgen sollten.

Seither sind nicht weniger als 200 Kompositionen dazugekommen, unter denen Sven Pritzkoleit eine Art Bestenauslese durchgeführt – und jene zwölf im Rahmen seiner „Essential Collection“ veröffentlicht hat, die er als besonders repräsentativ für sein olfaktorisches Schaffen erachtet.

SP Parfums

SP Parfums: Originell ist nicht nur der Inhalt der Parfums – sondern auch ihre Verpackung. Die Düfte sind mit handbeschriebenen Etiketten im „alten Apotheken-Stil“ versehen – und auch die Kräuter-/Tee-Boxen-Umverpackung verströmt „gute, alte Zeit“-Nostalgie.

Sven Pritzkoleit gehört zu einer speziellen Gattung der Parfümeure, die im Nischenduft-Segment immer mal wieder beachtliche Resultate abliefert: der „Selfmade-Parfümeur“. Ein von großer Begeisterung für die Duft-Thematik angetriebener Autodidakt, der nie eine der prestigeträchtigen Parfümerie-Schulen von innen gesehen hat – der jedoch den Mangel an regulärer, geordneter Ausbildung mit umso mehr Motivation, Kreativität, spielerische Neugier, angelesenes Fachwissen und nicht zuletzt mit einer guten Portion Naturtalent wettmacht. Und der obendrein die besondere Perspektive und Herangehensweise eines Quereinsteigers in seine Art, Düfte zu konzipieren, mit einbringt.

Längst nicht immer, aber manchmal eben doch kommt dabei Erstaunliches und auch erstaunlich Gutes heraus – wie bei Sven Pritzkoleits SP Parfums, die unsere Nase mit allerlei außergewöhnlichen Duft-Inspirationen verwöhnen, umschmeicheln,… aber auch mal verblüffen oder gekonnt irritieren. Etwa, wenn türkisches Rosenöl zusammen mit Leder-Nuancen und orientalischen Hölzern „die dunkle Seite der Rose“ zelebriert (Dark Rose). Oder wenn Sven Pritzkoleit mit einer Melange aus holzigen, grünen, frischen und animalischen Facetten die wilde Zibetkatze aus dem Käfig lässt (Civette Intense).

Sven Pritzkoleit

Das Allerheiligste: Sven Pritzkoleit im Parfumlabor

Überhaupt, das Animalische! Mit animalischen Untertönen versteht der aufstrebende Artisan-Parfümeur besonders raffiniert zu spielen. So kommt eine subtile Zibet-Note auch im Parfum Incense Wood Spirit vor, die zudem von einer Prise Castoreum (Bibergeil) ergänzt wird – um zusammen mit Hölzern, Gewürzen, Weihrauch, Jasmin- und Rosenblüten eine „1001 Nacht“-mäßige Reise in den Orient zu unternehmen.

In eine ganz andere Richtung geht eine weitere offenkundige Vorliebe Sven Pritzkoleits: Sonnenschein-Themen. Am deutlichsten zum Ausdruck kommt diese wohl im Duft Sunmilkflowers, bei dem ja schon der Name sonniges Programm ist. Nicht zuletzt wird das Sonnenschein-Motiv aber auch in der Linie SP Private Perfume aufgegriffen – einem Düfte-Trio, das Sven Pritzkoleit zusammen mit dem portugiesischen Parfum-Journalisten und Fragrantica-Autoren Miguel Matos kreiert hat. Aus den drei Düften strahlt förmlich die Sonne Portugals, ob bittersüß-melancholisch wie in Lisbon Blues, ob als Reminiszenz an den Glamour des Algarve-Strandlebens in den 1970er/80er Jahren (SunTanGlam) oder als heitere Erinnerung an Strandpartys mit „Nag Champa“-Räucherstäbchen und der iberischen Kult-Gebäckspezialität Churros (Funfair).

SP Parfums

SP Private Perfume: die drei Düfte dieser Sonderedition sind von der Sonne Portugals inspiriert – und von dem portugiesischen Parfum-Journalisten Miguel Matos, mit dem Sven Pritzkoleit die Düfte gemeinsam kreierte.

Und noch eine Parfumzutat hat es Sven Pritzkoleit offenbar besonders angetan: Das aus der Wurzel des indischen Nussgrases gewonnene Nagarmotha-Öl – oder, genauer: ein delikater olfaktorischer Dreiklang aus Nagarmotha, Ciste und Patchouli, der in gleich drei der SP-Parfums einen V.I.P.-Auftritt hat (Violett Moss, Liquorice Vetiver, White Blossom Powder).

Mehr als 20 Jahre Streifzüge durch die Welt der Düfte – dabei sammeln sich so viele Erlebnisse, Einsichten, Erkenntnisse und Begegnungen an, dass man bestimmt ein ganzes Buch darüber schreiben könnte. Genau das hat Sven Pritzkoleit getan: „Duftspuren“ lautet der Titel eines Taschenbuches aus seiner Feder mit dem vielsagenden Untertitel „Ein (Ver-)Führer für kreative Nasen und Parfumbegeisterte“. Auf insgesamt 160 Seiten lässt er die Leser teilhaben an den Stationen seiner fantastischen Reise zu den Geheimnissen des Parfums, nimmt sie mit u.a. in die Weltmetropole New York, in die gefühlte Welt-Parfumhauptstadt Grasse und – natürlich – ins Allerheiligste eines jeden Parfümeurs, das Parfumlabor. Außergewöhnlich: Bei Essenza Nobile gibt es zu jedem bestellten 30-ml-Duft von SP Parfums eine Ausgabe der „Duftspuren“ als Geschenk. Ein Buch und ein Parfum, beide aus der Hand des Parfümeurs selbst – so nah kommt man der Gefühls- und Gedankenwelt eines Duft-Schöpfers wohl nur selten.

Elf Jahre nach Lancierung seines ersten Parfums hat sich bestätigt, was der Experte von Givaudan ihm einst bescheinigt hatte: dass er auf dem richtigen Weg ist. Sven Pritzkoleits olfaktorisches Schaffen findet mittlerweile selbst bei ausgewiesenen Experten und Meistern des duftenden Fachs respektvolle, ja zuweilen sogar begeisterte Anerkennung. Womit wir noch einmal beim zuvor bereits angeschnittenen Thema „Ritterschläge“ wären. So wurde etwa das SP-Parfum Liquorice Vetiver erst in diesem Frühjahr als Finalist für den Art and Olfaction Award 2017 in der Kategorie „Artisan-Parfums“ nominiert. Auch der ehemalige Senior-Parfümeur des Aromen- und Duftstoff-Produzenten Symrise, Egon Oelkers, würdigte die Arbeit von Sven Pritzkoleit mit warmen Worten:

SP Parfums

„Ich finde es erstaunlich, dass Sie sich in autodidaktischer Weise so weit in das Gebiet vorgearbeitet haben. (…) Ich maße mir kein Urteil über Ihre Düfte an. Jedoch kann ich soviel sagen, dass sie alle sehr viel Charakter und Eigenständigkeit besitzen.“

Noch expliziter fällt das Lob des renommierten und einflussreichen Parfumkritikers Luca Turin aus. Neben den SP-Parfums Lignum Vitae („eine sehr interessante Version von süßer Erdigkeit“), Dark Rose („eine geheimnisvolle, wein-artige, zederige Blume“) und Sunmilkflowers („ein Duft, der schön von einer saft-artigen grünen Kopfnote in ein reichhaltiges, pudriges, zitrus-orientalisches Herz übergeht“) lobte er besonders die Komposition der Basisnote des Parfums Violett Moss:

„Wenn es einen Preis für den besten Dry-Down eines Artisan-Dufts gäbe (und einen solchen sollte es wirklich geben), würde Sven Pritzkoleit mit ihm nach Hause gehen – und wäre im nächsten Jahr Mitglied der Jury.“

Mehr Ritterschlag für einen Selfmade-Parfümeur geht eigentlich nicht.

SP Parfums

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