„Luxus ist das Gegenteil von Gewöhnlichkeit“: Interview mit Rainer Diersche (LINARI)

Rainer DierscheFür den Chef eines „gewöhnlichen“ Raumparfum-Herstellers sollen seine Düfte vor allem eines: gut riechen. Ist der Chef aber obendrein auch noch Designer, wird er sich mit diesem Anspruch allein kaum zufrieden geben. Und mit „gewöhnlich“ ist es spätestens dann auch vorbei…

Rainer Diersche ist beides: Geschäftsführer – und zugleich Designer der Hamburger Raumdüfte-Schmiede LINARI. Die Komposition der noblen Düfte legt er regelmäßig in die Hände renommierter Parfümeure; doch das Produktdesign ist bei LINARI „Chefsache“.

In unserem Exklusiv-Interview erzählt Rainer Diersche, was dabei herauskommt, wenn sich der Gründer einer Raumparfum-Marke jahrelang mit italienischem Design beschäftigt hat – und die visuelle Gestaltung seiner Produkte selbst in die Hand nimmt…

Essenza Nobile: Herr Diersche, Ihre Raumdüfte tragen durchweg italienische Namen. Wer zum ersten Mal von LINARI hört, könnte sogar direkt meinen, es handele sich dabei um eine italienische Parfummarke – so umgeben ist die Marke von italienischem Flair! Spielen Sie absichtlich mit diesem Image?

LinariRainer Diersche: Die Verwendung italienischer Namen inklusive des Markennamens LINARI ist für mich die logische Konsequenz, die aus der reduzierten Formgebung meiner Produkte folgt. Meine Designwurzeln liegen im italienischen Minimalismus, so war es für mich nur logisch, dem Rechnung tragen. Darüber hinaus erachte ich die italienische Sprache als extrem ästhetisch, sie bildet zusammen mit der Formgebung der Produkte eine Symbiose.

Essenza Nobile: Woher kommt eigentlich der Name LINARI? In der Toskana soll es eine kleine Ortschaft dieses Namens geben… stammt der Markenname daher?

Rainer Diersche: Der Name LINARI rührt in der Tat von einem kleinen Ort aus der Toskana, der hübsche Ort und dessen Name hat mich so stark inspiriert, dass ich mich entschieden habe, meine Marke danach zu benennen.

Essenza Nobile: Und dann haben Sie sich auch noch jahrelang speziell mit italienischem Design beschäftigt. Woher diese offenkundige Liebe und Affinität zum Italienischen?

Rainer Diersche: In der Tat bin ich oft fasziniert vom ungewöhnlich schönen italienischen Produktdesign. Bereits als Kind hatte ich ein Faible für die Formgebung von Dingen – das Wort Design war damals noch völlig ungebräuchlich. Zunächst habe ich mich sehr für Interiordesign interessiert und stellte sehr schnell fest, dass ich stets vom kontemporären italienischen Design beeindruckt war. Mit LINARI wurde mir das große Glück zuteil, dass ich meine persönliche Designvorliebe ausleben kann, was sich in der Authentizität der Produkte niederschlägt.

Essenza Nobile: Sie sind eigentlich studierter Wirtschaftsingenieur; wie kamen Sie zum Interiordesign?

Rainer Diersche

Rainer Diersche: „Die LINARI-Raumparfums sind durchweg visuelle Produkte. Ich betrachte jedes Produkt als Designobjekt, das gesehen werde möchte.“

Rainer Diersche: Mein oft sehr mathematisch orientiertes Studium benötigte einen Gegenpol jenseits der Logik und der Formeln. Je theoretischer das Studium wurde, desto mehr interessierte ich mich für ästhetisches Design, was mich von jeher angesprochen hatte. Im Nachhinein war das technische Studium perfekt für mein heutiges Wirken, denn gute Produkte können nur mit fundiertem Wissen technisch perfekt umgesetzt werden. Das Wissen um den technischen Background ermöglicht es mir, mit meinen Lieferanten auf Augenhöhe zu arbeiten und Input geben zu können.

Essenza Nobile: Und wann und bei welcher Gelegenheit trat das große Thema „Raumdüfte“ in Ihr Leben?

Rainer Diersche: In Hamburg und München besaß ich Ende der 1990er Jahre zwei italienische Designgeschäfte, in denen neben Möbeln, Kleinmöbeln und Accessoires auch Raumdüfte verkauft wurden. Diese Produkte hatte ich bereits damals in mein Herz geschlossen, da ich von jeher sehr duftaffin war. Die damaligen Produkte waren schön – aber nicht perfekt. Hieraus wuchs das Verlangen, Luxus-Raumdüfte herzustellen, die qualitativ besser sind als die am Markt befindlichen Produkte.

Essenza Nobile: Im Gegensatz zu vielen anderen Parfums, die gerne mal ausschweifend-poetische Namen tragen, sind die Titel Ihrer Raumdürfte durch die Bank betont kurz und prägnant, fast ein bisschen nüchtern: Alba. Luce. Menta. Puro. Senso. Offenbart sich darin eine Vorliebe für das Minimalistische?

Rainer Diersche: Der Minimalismus in der Namensgebung bei LINARI beschreibt die reduzierte Ästhetik der Produkte mit ihrer klaren Formgebung – dies ist gewollt eine Reduktion auf das Wesentliche.

Linari

Essenza Nobile: Es gibt ja ganz verschiedene Konzepte von „Luxus“. Für manche ist Luxus pompös, üppig, opulent. Für andere wieder liegt Luxus gerade in einem gewissen Understatement, einem „weniger ist mehr“. Wie würden Sie das Luxus-Konzept von LINARI beschreiben, wodurch werden LINARI-Produkte zu „Luxusobjekten“?

Rainer Diersche: Luxus ist das Gegenteil von Gewöhnlichkeit, dies gilt für alle LINARI-Produkte. Das Design ist so stark reduziert, dass die Feinheiten des Produktes zu den Hauptakteuren rangieren. Für mich hat Luxus auch etwas mit Konsequenz zu tun, so zieht sich ein roter Faden durch die Produktwelt von LINARI, die sich neben zeitlosem Design auch durch die konsequente Verwendung bester Rohstoffe und edelster Materialien auszeichnet.

LinariEssenza Nobile: Raumdüfte stehen eindeutig im Mittelpunkt des LINARI-Portfolios. Aber es gibt auch eine Reihe von Eaux de Parfums aus Ihrem Hause. Tragen Sie eigentlich selbst LINARI-Parfums – und darf man fragen, welches Ihr Favorit ist?

Rainer Diersche: Die LINARI EdP-Linie erfreut sich neben den Raumparfums seit Jahren einer ständig wachsenden Beliebtheit – in vielen Ländern dieser Erde ist diese mittlerweile sogar die bekanntere Produktlinie. Ich verwende privat ausschließlich LINARI-Parfums, Produkte anderer Hersteller teste ich nur aus beruflicher Neugierde. Meine Favoriten sind das kürzlich erschienene LINARI-MARE PACIFICO für die wärmeren Jahreszeiten sowie LINARI-FUOCO INFERNALE für die Winterzeit.

Essenza Nobile: Die bisherigen Eaux de Parfums von LINARI wurden komponiert von drei Herren, die man mit Fug und Recht als Ausnahme-Parfümeure bezeichnen kann: Egon Oelkers, Maurice Roucel und Mark Buxton. Was haben die drei, was andere nicht haben?

Rainer Diersche: Bei den drei Kreateuren handelt es sich durchweg um Ausnahme-Parfümeure, die sich durch ihre eigene olfaktorische Handschrift auszeichnen, die es zu nutzen gilt, um einer Kreation die gewünschte Note zu verleihen. Der Name Egon Oelkers steht für harmonische Kreationen, während Maurice Roucel als der Meister der Reduktion gilt. Mark Buxton fällt durch seine innovativen und unkonventionellen Kreationen auf. Diese so sehr unterschiedlichen Parfümeure bilden einen sehr interessanten kreativen Pool.

Geschäftsführer’s Darlings: Rainer Diersches ganz persönliche Favoriten aus der LINARI EdP-Kollektion – für die warmen (MARE PACIFICO) und für die kälteren (FUOCO INFERNALE) Tage des Jahres…

Essenza Nobile: Wie entsteht eigentlich so ein LINARI-Duft? Was ist Ihnen dabei wichtig, welche Vorgaben machen Sie – und wieviel kreative Freiheit haben die Parfümeure?

Rainer Diersche: Zuerst steht in aller Regel die olfaktorische Idee, auf deren Basis Kontakt mit den Parfümeuren aufgenommen wird, die für die jeweilige Aufgabenstellung als am besten geeignet erscheinen. Die Inspiration zu olfaktorischen Themen resultiert einerseits sehr oft aus Reisen; besonders in Ländern mit feucht-heißem Klima sind intensive neue Gerüche wahrnehmbar, die als Basis für neue Ideen dienen. Andererseits gilt generell, dass, je mehr man sich mit Düften beschäftigt, die Inspiration zu Neuem steigt. Ich versuche stets, den Parfümeuren möglichst viel Input zu geben, je klarer der gewünschte Duft kommuniziert werden kann, desto zielführender ist dies in der Regel für den Parfümeur. Ist der Anfang erst einmal gemacht, dann ist auch Platz für olfaktorische Kreativität. Von der Idee bis zum fertigen Produkt vergehen in der Regel 12 bis 18 Monate; vereinzelte Projekte haben auch schon bis zu drei Jahre in Anspruch genommen, bis sie die hohe Qualität besaßen, um final als LINARI-Produkt auf den Markt zu kommen.

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Essenza Nobile: „Normale“ Raumdüfte wollen einfach nur gut riechen – LINARI-Raumdüfte wollen mehr: nämlich neben der Nase auch dem Auge schmeicheln. Kein Wunder, wenn der Chef – also Sie – Designer ist. Ist bei Ihren Raumdüften der Design-Aspekt genau so wichtig wie der Duft selbst?

Rainer Diersche: Die LINARI-Raumparfums sind durchweg visuelle Produkte, die Hälfte des Erfolges ist sicherlich hierauf zurückzuführen. Ich betrachte jedes Produkt als Designobjekt, das gesehen werden möchte. Die andere Hälfte des Erfolges basiert darauf, dass LINARI als einziger Raumdufthersteller ausschließlich hochwertige Parfums für alle Raumparfums verwendet.

Essenza Nobile: Wissen Sie eigentlich, wo die Raumduft-Gefäße, die Sie designen, später einmal stehen werden? Sind es eher mondäne Hotellobbys – oder gemütliche Wohnzimmer? Haben Sie das in der Designphase bereits vor Augen?

Rainer Diersche: Das zeitlos minimalistische Design besitzt den Vorteil, dass es mit so gut wie jedem Einrichtungsstil harmoniert und somit völlig flexibel verwendet werden kann. Natürlich habe ich eigene Assoziationen bei der Designentwicklung, die jedoch nur subjektiv für mich gelten. Ich bin immer wieder positiv überrascht, welche Menschen eine Liebe für unsere Produkte entwickelt haben. Besonders überrascht hat mich, dass viele prominente Sportler und Musiker auf LINARI bauen.

Essenza Nobile: Das neue Jahr steht zum Zeitpunkt dieses Interviews unmittelbar bevor. Was darf man von LINARI 2015 erwarten – gibt es schon irgendwelche Pläne? Oder gute Vorsätze Ihrerseits?

Rainer Diersche: Neue Projekte sind bei LINARI immer in der Pipeline, eine kreative Pause habe ich noch nie benötigt. Eher ist das Gegenteil der Fall; es gibt so viele Produkte, die ich gern entwickeln möchte. Wichtig ist mir dabei, dass LINARI eigene Trends setzt und den eigenen Stil dabei bewahrt.

Essenza Nobile: Herr Diersche, herzlichen Dank für dieses Interview!

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2 Gedanken zu “„Luxus ist das Gegenteil von Gewöhnlichkeit“: Interview mit Rainer Diersche (LINARI)

  1. Ein wirklich gutes Interview. Ich liebe Raumdüfte und stocke deswegen regelmässig meinen Vorrat an St Barth Duftkerzen auf. Vielleicht sollte ich mir auch mal andere Duftvarianten zulegen, es ist nie zu spät neue Sachen zu entdecken!

    • Liebe Frau Fellner,

      vielen Dank für die netten Worte zum Interview! Es freut mich sehr dass es Ihnen gefallen hat und Sie dadurch sogar neue Impulse/Inspirationen in der Raumdüfte-Frage erhalten haben. 🙂

      Herzliche Grüße

      Erik Vogel

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