Anti-Aging-Wunder mit Pinsel und Farbe: Jungbrunnen in der Kunst – Teil 2

Jungbrunnen_WochenDreiteilige Serie. Heute: Ein Jungbrunnen im prunkvollen Festsaal eines mittelalterlichen Schlosses in Italien – und auf einer Schweizer Banknote…

Nachdem ich im ersten Teil dieser Serie das Gemälde „Der Jungbrunnen“ von Lucas Cranach aus dem Jahr 1546 näher vorgestellt habe, reisen wir nun noch einmal ein gutes weiteres Jahrhundert auf der Zeitachse zurück – und landen prompt im „Sala Baronale“, dem Festsaal des Castello della Manta, eines mittelalterlichen Schlosses im italienischen Piemont. Wir schreiben ungefähr das Jahr 1440 – ein Maler verziert gerade im Auftrag des Schlossherren Valerano den festlichen Saal mit einem farbenfrohen Fresko. Das zentrale Motiv ist deutlich zu erkennen: ein Jungbrunnen! Doch Name und Gesicht des Künstlers bleiben für uns im Verborgenen. Er ist heute lediglich als „Maestro della Manta“ bekannt; ähnlich wie um den Verfasser desNibelungenliedes ranken sich auch um die Person des Erschaffers dieses Jungbrunnen-Gemäldes Rätsel und Geheimnisse…

Maestro della Manta – „Fontana della Giovinezza“, um 1440

Jungbrunnen_Fresko_Manta

Im Vergleich zu der so wohlgeordneten Abfolge der wundersamen Geschehnisse auf dem Lucas-Cranach-Gemälde mutet die Jungbrunnen-Szenerie der „Fontana della Giovinezza“ ausgesprochen turbulent, ja, geradezu chaotisch und auch ein wenig grotesk an – ein großes Menschenknäuel tummelt sich in buntem Durcheinander im Jungbrunnen, auf dem Jungbrunnen, und um den Jungbrunnen herum. Diese Darstellung trägt durchaus augenzwinkernde, karikierende, satirische Züge: die Mächtigen der damaligen Zeit – Adelige, Geistliche, Königinnen, Kaiser – lassen hier im Anti-Aging-Rausch scheinbar alle vornehme Contenance dahin fahren, bestürmen regelrecht den Jungbrunnen, entledigen sich eilig ihrer Kleidung und stürzen sich in das erquickende Nass, das ewige Jugend verheißt.

Den Jungbrunnen tatsächlich entdeckt hat der Maler dieses spätmittelalterlichen Freskos zwar nicht – aber immerhin hat der „Maestro della Manta“ mit diesem Kunstwerk doch einen wunderbaren Weg gefunden, sich weit über seine Lebenszeit hinaus zu verewigen

Pierre Gauchat – Jungbrunnen-Motiv für die 500-Franken-Banknote, 1950er Jahre

Auf ähnliche Weise unsterblich gemacht hat sich (vorsicht, Zeitsprung!) ungefähr ein halbes Jahrtausend später auch der Schweizer Künstler Pierre Gauchat, der u.a. die Motive der Mitte der 1950er Jahre eingeführten fünften Banknotenserie der Schweiz entwarf. Ihm ist es zu verdanken, dass der sagenhafte Jungbrunnen sogar zu einem offiziellen Zahlungsmittel wurde – nämlich in Form der damaligen amtlichen 500-Franken-Banknote der Schweiz!

Seine Jungbrunnen-Vision ist eine Art „komprimierte“ Neuinterpretation des sehr detailreichen und ausschweifenden Gemäldes von Lucas Cranach: Auch hier steigen von links her betagte, vom Leben und Alter sichtlich gezeichnete Menschen in das Anti-Aging-Bad, und verlassen dieses rechts wieder mit juveniler Frische, umgeben von Symbolen der mit der Verjüngung einhergehenden neuen Fruchtbarkeit…

Jungbrunnen_500_Franken-Schweiz

Noch immer nicht satt gesehen an fantastischen Anti-Aging-Visionen auf Gemälden… Schlosswänden… oder Geldscheinen? Dann freuen Sie sich mit uns auf den dritten Teil unserer Serie: er (ent)führt uns in das Jahr 2007, mitten in das Herz der Weltmetropole New York, und wird einen ganz besonders außergewöhnlichen Jungbrunnen-Künstler vorstellen – noch dazu einen, der ausnahmsweise sogar noch lebt! Doch mehr wird hier noch nicht verraten. Lassen Sie sich überraschen…

Demnächst. Hier, in unserem Journal.

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