Der Große Essenza Nobile® Parfum Online Kurs

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Image credits: © 2017 Raluca Kirschner

Parfum als Kulturgut

Der Kulturkreis, aus dem wir stammen, hat einen großen Einfluss darauf, wie wir Parfum wahrnehmen und auch darauf, welche Duftnoten wir bevorzugen. Der historische, künstlerische, religiöse Kontext, in dem wir aufwachsen, ebenso wie unsere Traditionen und Werte, ist der Rahmen, in den für uns ein Artefakt wie Parfum eingebettet ist. Die Auswirkungen sind so komplex wie konkret und reichen bis ins Detail – so unterscheiden sich verschiedene Kulturen etwa im Hinblick auf Geschlechtervorlieben (kann ein Mann einen Rosenduft tragen?) oder auf die Intensität der Parfümierung (zehn Sprühstöße empfindet man im Nahen Osten als angemessen – in Japan einen halben).

Betrachten wir die arabische Halbinsel: Parfum durchdringt hier jeden Lebensbereich, von einer simplen Mahlzeit bis hin zur traditionellen Gastfreundschaft – das hat nicht nur religiöse Hintergründe (wenngleich der Koran rät, darauf zu achten, dass man stets angenehm riecht). Weihrauch und Adlerholz wird traditionell in arabischen Häusern verbrannt, um die eigene Kleidung und das ganze Heim zu beduften. Gerne werden auch Parfums für Gäste bereitgestellt, um ihnen das Vergnügen zu bieten, sich selbst mit Wohlgeruch zu umgeben. Traditionell wurde Attar gereicht, ein besonders hoch konzentriertes Duftöl – zunehmend sind aber auch Sprühflakons, wie sie der Westen kennt, verbreitet. Arabische Männer lieben es, sich üppig und opulent zu parfümieren, gerne auch auf der Basis von Rosen – was in anderen Teilen der Welt traditionell eher als weiblich gilt. Ein weiterer Grund für die Beliebtheit von Parfum an sich, ist die Interpretation von Schriftstellen, nach denen Mohammed eine Vorliebe für Moschus und Oud gehabt haben soll.

Anders sieht es in Westeuropa aus – die Parfumeurskunst ist hier gewachsen aus dem Bedürfnis, unangenehme Gerüche zu überdecken. Letztere waren durchaus verbreitet in jenen Jahrhunderten, in denen tägliches oder auch nur regelmäßiges Duschen oder Baden eher unüblich waren. Die englischen Damen zur Zeit der Tudor-Dynastie etwa platzierten getrocknete Blüten und Kräuter unter Ihrer Leibwäsche, um den säuerlichen Geruch ungewaschener Haut zu überdecken.

Aus dem Bedürfnis, den Eigengeruch menschlicher Wesen zu überdecken, hat sich in Frankreich, dem Geburtsland und historischen Zentrum westlicher Parfumeurskunst, eine besondere geschmackliche Eigenart entwickelt: Ein Parfum durfte, sollte sogar etwas leicht „Schmutziges“, in jedem Fall Körperliches an sich haben. Napoléon soll Josephine angewiesen haben, sich keinesfalls zu waschen, und Jacques Guerlain selbst wird zitiert, alle seine Düfte hätten etwas vom Hinterteil seiner Mätresse an sich, also durchaus etwas Frivoles, Schmutziges… Dank dieser langen Tradition neigt man in Europa eher dazu, animalische Noten in Parfums zu tolerieren als etwa im asiatischen oder amerikanischen Kulturkreis. Noten wie Moschus, Zibet, Castoreum, Kumin, Ambergris haben diesen Effekt, und ein Duft mit diesen Ingredienzen ist etwas typisch „Europäisches“ oder gar „Französisches“.

Das heutige Nordamerika ist stark geprägt von den englischen Puritanern, die sich im 16. Jahrhundert im Nordosten des Kontinents angesiedelt hatten – inklusive gewisser Restriktionen im Hinblick auf Vergnügungen wie das Tanzen, den Konsum von Alkohol, das Ausleben von sexuellen Wünschen oder auch nur persönliche Eitelkeit. In diesem Zusammenhang ist klar, dass der Gebrauch von Parfum einen Akt äußerster Eitelkeit darstellt und somit angetan war, den Benutzer oder die Benutzerin von Gott abzulenken.

Eine Konsequenz von überzogener Selbstkasteiung sind umso größere Exzesse sind, die dann wiederum in noch größeren Repressionen enden – dieses Auf und Ab ging an der amerikanischen Seele sicher nicht spurlos vorüber. Als ein Erbe der puritanischen Wurzeln kann man heute noch die Vorliebe amerikanischer Konsumenten für Düfte, die Sauberkeit, Reinheit, beispielsweise den Duft frisch gewaschener Wäsche imitieren, sehen. Schwere, animalische Düfte hatten es in diesem Klima lange schwer.

In Japan wird auch in Hinblick auf Parfums die legendäre japanische Zurückhaltung geübt – allgemein ist die japanische Ästhetik sehr kühl, clean und gemessen. Aggressive, laute Düfte haben hier keinen Platz – die meisten Japaner bevorzugen leichte, zurückhaltende Düfte mit Noten, die in Japan traditionell als positiv gelten: Grüner Tee, Kirschblüten, Osmanthus.

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