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J.F. Schwarzlose Berlin


Markenportrait: J.F. Schwarzlose Parfums

Comeback J.F. Schwarzlose Berlin 2012.

Die Serie neuer Parfums von J.F. Schwarzlose Berlin umfasst Kreationen, die wie ein Spiegel für das moderne Berlin funktionieren. Konzipiert für Duftkenner, Genießer und Individualisten, sind sie souverän und selbstbewusst, ohne laut sein zu müssen, kosmopolitisch und zeitgeistig, originell und authentisch, jenseits jeder Mainstream-Attitüde.

Mit anderen Worten: Sie sind so exzentrisch, extravagant und schillernd wie die Stadt Berlin. Ihre Basis liefern edle Parfumöle in hoher Konzentration, Flakons und Verpackung eint ein stilvolles, reduziertes und hochwertiges Design. Markante Glasflakons mit schweren Böden, die in Anlehnung an die historischen Vorbilder das eingestanzte Markensignet tragen, runden speziell handgefertigte, gedrehte Messingkappen ab. Die Hauptfarben sind Schwarz und Gold, runde Etiketten greifen das traditionelle Signet der Marke auf: eine aus den Anfangsbuchstaben JFSS gebildete Blüte.

Mehr über J.F. Schwarzlose Parfum

Die 1856 vom Klavierbauer Joachim Friedrich Schwarzlose gegründete Drogeriehandlung J.F. Schwarzlose Söhne war einmal so etwas wie der Nabel der Berliner Parfümerie-Welt. Der Markenname verweist zurück in eine Epoche, die uns heutzutage wie ein vergilbter Schwarzweiß-Film erscheinen mag, in der Pickelhauben und Marschmusik der letzte Schrei waren, Deutschland noch einen Kaiser hatte und in der es einem quasi staatlichen Qualitäts- und Gütesiegel gleichkam, wenn sich eine Firma „Hoflieferant Seiner Majestät des Kaisers und Königs“ nennen durfte – genau diesen Beinamen nämlich führte die Parfümerie J.F. Schwarzlose Söhne um das Jahr 1900, weiterhin ergänzt um den nicht weniger kaiserlichen Zusatz „Hohenzollern-Parfümerie“.

Kein Wunder, dass da auch bald der eine oder andere Monarch aus ferneren Ländern auf die Berliner Parfümerie aufmerksam wurde; so heißt es etwa, dass dereinst ein Parfumflakon von J.F. Schwarzlose Söhne seinen Weg bis in die „verbotene Stadt“, nämlich in die Gemächer des letzten Kaisers von China, Pu Yi, gefunden habe.

Abgesehen vom nationalen und internationalen Hochadel fanden die Parfümerieprodukte von J.F. Schwarzlose Söhne aber vor allem beim duftverrückten Teil der Bevölkerung Berlins überragenden Anklang. J.F. Schwarzlose Söhne war in der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts DER Dealer für mondäne Düfte, die im Berliner Haupt- und Großstadtleben einen Hauch von Luxus und großer, weiter Welt verströmten. Verkaufsschlager im Schwarzlose-Ladenlokal in der Berliner Markgrafenstraße waren Düfte mit blumigen, fantastisch-großartigen Titeln wie etwa „Rosa Centifolia – der Duft der dunkelroten Gartenrose“, „Hymen, Jasmin in vollendeter Natürlichkeit“, das „erstklassige deutsche Phantasieparfum Royalin“ oder das Herrenparfum „Finale“. Weitere bekannte Düfte trugen Namen wie „Treffpunkt 8 Uhr“, „1A-33“, „Electra Muget“, „Lilaflor“, „Peau d´Espagne“ oder „Chic“. Diesen gesellten sich allerlei Raumdüfte, Haaröle, Kopfwasser, Riechfläschchen und dergleichen Produkte mehr hinzu.

1911 legte die Marke J.F. Schwarzlose Söhne in Sachen Exklusivität noch einmal nach, indem sie die Düfte „Rose Royalin“ und „Violette Royalin“ in Flakons abfüllen ließ, die eigens von den berühmten lothringischen Kristallglas-Erzeugern „Cristalleries Baccarat“ gefertigt wurden. Und auch um moderne und innovative Entwicklungen war man im Hause J.F. Schwarzlose Söhne nicht verlegen: So bescherte das Berliner Unternehmen etwa der staunenden englischsprachigen Welt einen Parfum-Automaten, der nach Einwurf einer Cent-Münze „Perfume Soap-Powder“ auf ein vorgehaltenes Taschentuch sprühte – zur Auswahl standen dabei vier verschiedene Düfte („Rosa Centifolia“, „Lilaflor“, „Eau de Cologne“ und „Melati Radja“). Im Internet konnte ich sogar zwei Seiten finden, auf denen solche Automaten gezeigt werden:

Reanimation de luxe: J.F. Schwarzlose Berlin ? Comeback einer Berliner Parfümerie-Institution

„Heutzutage nicht mehr“ gibt es übrigens auch die Parfümerie J.F. Schwarzlose Söhne. Die hatte nach allerlei Turbulenzen (Weltwirtschaftskrise, Inflation, Zerstörung der Fabrik im Zweiter Weltkrieg, Mauerbau) irgendwann ihre große, goldene Blütezeit hinter sich, bis sie schließlich im Jahr 1976 aufgelöst wurde.

Damit hätte dieses Kapitel deutscher Parfümeriegeschichte durchaus ein für alle Mal beendet und abgeschlossen sein können – wäre da nicht ein gewisser Hamburger Industrie- und Produktdesigner aus der Parfümerie- und Kosmetikbranche namens Lutz Herrmann gewesen, dem es partout in den Sinn kam, der alten Berliner Traditionsmarke neues Leben einzuhauchen. Zusammen mit zwei Kompagnons – der IFF-Parfümeurin Véronique Nyberg und dem Berliner Diplom-Kommunikationswirt Tamas Tagscherer – hat er sich ein ebenso sympathisches und spannendes wie ehrgeiziges Ziel gesetzt: „Die Wiedergeburt eines feinen Dufthauses“, oder auch, wie es in der uns vorliegenden Markenpräsentation heißt: die Wiedererweckung des „Dornröschens des 19. Jahrhunderts“ – gemeint ist die alte Firma J.F. Schwarzlose Söhne aus Berlin.

Die heißt zwar nun (in Ermangelung der Söhne Joachim Friedrich Schwarzloses, für die das Unternehmen dereinst gegründet worden war) „J.F. Schwarzlose Berlin“, und ist (in Ermangelung eines deutschen Kaisers)auch kein kaiserlicher Hoflieferant mehr – aber ansonsten knüpft die neubelebte Marke an die große Zeit von J.F. Schwarzlose Söhne an; und zwar als Einstand mit Neuinterpretationen der beiden Schwarzlose-Klassiker „1A-33“ und „Treffpunkt 8 Uhr“. Parfums, die „zugleich Rock’n’Roll und Bohemien“ sind und „das Herz von Berlin in jeder Note“ tragen, wie es in der offiziellen Beschreibung der Düfte so schön heißt.

1A-33” ist eine Anspielung auf das alte Autokennzeichen Berlins und verkörpert mit seiner Melange aus Berlin-typischen Lindenblüten und aquatischen Noten eine „Reminiszenz an Spree und Wannsee“; Noten von Mandarine, Rotem Pfeffer und ein „Akkord von “Spree”-Tropfen“ treffen in dem Parfum auf Jasmin Sambac, Lindenblüten, Magnolienblüten, Zedernholz und Irispuder.

Treffpunkt 8 Uhr hingegen fängt die vibrierende Vorfreude auf ein bevorstehendes Rendezvous ein, und zwar mit herrlichen Duftimpressionen von Mangoblüten, frischem Ingwer, Salbei, Herbstzeitlosen und Vetiver.

Da wir nun aber nicht mehr 1900, sondern mittlerweile (Kinder, wie die Zeit vergeht!) das Jahr 2012 schreiben, hat sich die Schwarzlose-Parfümeurin Véronique Nyberg auch an eine Neukreation herangewagt: Rausch heißt der taufrische Schwarzlose-Neuling, der mit Rauchnoten und Andeutungen spezieller Bitterstoffe „auf die Zeit der Goldenen Zwanziger und in die Gegenwart der Nachtclub-Hochburg Berlin“ verweist und mit Noten von Rotem Pfeffer, Sandelholz, Cypriol, Patchouli, Vanillabohne, Amber und Oud die „ausgelassene Berliner Nacht“ feiert.

Von „Rausch“ darf damit immerhin behauptet werden, dass es das erste neue Parfum unter dem Label „Schwarzlose“ seit etlichen Jahrzehnten ist (man könnte freilich auch sagen:  „Wurde aber auch langsam mal Zeit!“). Doch keine Sorge, in diesen zeitlichen Abständen geht es nun keineswegs weiter; bereits für den diesjährigen November wurde von J.F. Schwarzlose Berlin noch ein weiterer neu aufgelegter Schwarzlose-Duft angekündigt: Unter dem vielversprechenden Titel Tranceerwartet uns dann die zeitgemäße Neuinterpretation eines Duftkonzepts aus den 1920er Jahren…

Der Schwarzlose Parfum Automat

Am vergangenen Wochenende berichteten wir über die grandiose Wiederbelebung der alten Berliner Parfümerie-Traditionsmarke J.F. Schwarzlose; bei dieser Gelegenheit wurden auch zwei Internetseiten erwähnt, die Bilder von einem Parfumautomaten enthalten, mit dem einst die Firma J.F. Schwarzlose Söhne das englischsprachige Ausland mit vier ausgewählten Düften aus ihrem Sortiment beglückte.

So sah das gute Stück also aus. Dem Vernehmen nach stammt das hier gezeigte Exemplar aus dem Nachlass eines ehemaligen Mitarbeiters einer Berliner Firma, die dereinst solche Automaten gewartet hat. Weitere Parfümautomaten von J.F. Schwarzlose Söhne sollen u.a. im Kölner Schokoladenmuseum sowie im auf historische Münzautomaten spezialisierten Automatenmuseum „Sammlung Gauselmann“ zu sehen sein.

Zwar ist bekannt, dass es in der Zeit um die 1920er Jahre derartige Parfumautomaten von J.F. Schwarzlose Söhne gab; Bildmaterial davon ist heutzutage allerdings rar. Auch von den Automaten selbst sind nur noch wenige Exemplare zu finden; anders als etwa Zigaretten-, Getränke-, Süßigkeiten- oder Glücksspielautomaten sind Parfumautomaten heutzutage regelrecht ausgestorben – und mithin eine echte nostalgische Liebhaber-Rarität. Es gab aber offenbar Zeiten, in denen es vielerorts ziemlich normal gewesen sein muss, mal eben schnell zum Parfumautomaten um die Ecke zu gehen, um sich dort einen frischen Duft zu „ziehen“.

Im Falle des Parfumautomaten von J.F. Schwarzlose Söhne standen dabei vier Parfums zur Auswahl: „Lilaflor“, „Melati Radja“, „Eau De Cologne“ sowie der seinerzeit wahrscheinlich erfolgreichste Duft aus dem Hause J.F. Schwarzlose Söhne, „Rosa Centifolia“. Mit einem Cent war man dabei, und konnte nach Einwurf der Cent-Münze die begehrte Parfumsorte wählen, die dann nach Betätigung eines Zughebels auf ein vorgehaltenes Taschentuch gesprüht wurde…